Theater Alte Feuerwache e. V.

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Wetterauer Zeitung

Ein Plädoyer für die Menschlichkeit

 

"Standing ovations" für "Die 12 Geschworenen" - Gelungene Premiere der freien Theatergruppe "TAF" im Kurtheater

Die Premiere der freien Theatergruppe "TAF" mit dem Stück "Die 12 Geschworenen" von Reginald Rose wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Lange Warteschlangen an der Abendkasse verzögerten den Beginn. Ein gelungenes Debüt der zwanzigköpfigen Gruppe engagierter junger Amateurschauspieler. Die Spannung des textreichen Stückes wurde durchgängig gehalten. Elementare Gefühle sind spürbar dargestellt worden.

Die latente Spannung, die das ganze Spiel um Egoismus, Vorurteile, Recht, Gerechtigkeit und die Fehlbarkeit menschlicher Entscheidungen beherrscht, konnte schon vor Beginn des Stückes aufgebaut werden. Mit zwanzigminütiger Verspätung öffnete sich der Vorhang vor den nahezu ausverkauften Rängen des Kurtheaters. Der Grund für diese spannungsgeladene Pause war schnell zu erfahren: An der Abendkasse hatte sich eine lange Warteschlange gebildet. Die jungen Leute zwischen 14 und 28 betraten nach einführenden Worten eines imaginären Richters aus dem 0ff die Bühne, auf der vorher eine Gerichtsdienerin die Plätze der zwölf Geschworenen gerichtet hatte.

Genervt sollen sie sein, durch die Hitze des Tages und die stickige Luft des Gerichtssaales erschöpft. Was die Darsteller in den ersten Minuten des Stückes boten, wirkte allerdings mehr angespannt und lampenfiebrig. Aber schnell war diese "unheilbare Krankheit" aller Schauspieler überwunden: In den folgenden zwei einhalb Stunden entwickelten die einzelnen Darsteller nicht nur eine spannende und hintergründige Handlung, sondern auch überzeugende Charakterbilder.

Kampf gegen menschliche Schwächen

Da waren die schüchterne Immigrantin, der nervöse und vorurteilsbeladene Tankstellenbesitzer, der abgeklärte Börsenmakler, der überdrehte Sportsmann, der Verteidiger von Gerechtigkeit und Humanität und schließlich der Vater, der die Probleme mit seinem eigenen Sohn auf den Angeklagten projiziert. Diese Figuren - wie auch die übrigen Geschworenen - wirkten im Verlauf des Abends zunehmend realer. Das waren nicht mehr die jungen Leute von nebenan, die ein Theaterstück auswendig gelernt haben: Das waren zwölf Geschworene im unausgesetzten gegenseitigen Kampf mit menschlichen Schwächen.

Freilich holperte es an manchen Stellen, und nicht selten meinte man aus den allzu gedrechselten Akzentuierungen den Schauspielunterricht herauszuhören. Aber als Gesamtbild bot sich eben doch gut gespieltes Amateurtheater.

Die Ausbrüche von Wut und Verzweiflung der verschiedenen Protagonisten, die immer stärker in Zweifel gerieten, ob sie einen neunzehnjährigen mutmaßlichen Vatermörder einfach auf den elektrischen Stuhl schicken können, waren stellenweise mit aller Kraft gespielt. Eine Kraft, die den Zusammenbruch jeder Figur das Publikum nachvollziehbar werden ließ. Die steigende Beklemmung, die sich im Zuschauerraum breit machte, entlud sich durch Lacher über eben diese menschlichen Schwächen, die jeder kennt. Der eigentliche Fall wurde erst im Verlauf der Handlung durchsichtig, und am Schluss weiß keiner, ob der Angeklagte nun schuldig oder nicht schuldig ist.

Aber darum geht es nicht. Der dubiose Kriminalfall ist ein Plädoyer für den demokratischen Rechtsstaat und gleichzeitig ein Beispiel für den großen Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit. Dass diese beiden Größen nicht ein und dasselbe sind, das haben die Schauspieler mit außergewöhnlicher Nachdrücklichkeit dem Publikum bewiesen. Im Zentrum steht der Mensch - und der Mensch ist fehlbar. Die Menschen, die hier typisierend vorgeführt worden sind, haben diesen Satz aufs allerdeutlichste unterstrichen. Tatsächlich werden in dem Stück nämlich keine Tatsachen kriminalistisch und juristisch verhandelt, sondern die menschlichen Probleme Einzelner.

Gute Wahl für das Erstlingsstück

Jedes Mitglied der Theatergruppe hatte eine Charakterrolle, die im Fortgang der Handlung überzeugend ausgemalt werden konnte. Die Problematik und Brisanz des Themas wurde lebhaft vermittelt. Ein starkes Stück. Ein Votum für die Menschenrechte, ein Votum für die Menschlichkeit gleichermaßen, denn all die Schwächen, die hier vorgeführt wurden, konnte der Zuschauer wohl mehr oder minder bei sich selbst wiederfinden.

Eine gute Wahl für das Erstlingsstück der jungen Theatergruppe, nicht zuletzt, weil jeder bis an seine Grenzen schauspielerischer Leistung gehen konnte - was wiederum miterlebbar war. Der letzte große Höhepunkt, der Zusammenbruch des fanatischen Fuhrunternehmers, der den Angeklagten als alter ego seines Sohnes unbedingt zum Tode verurteilen will, wurde mit verblüffender Ausdruckskraft gespielt.

Auf ihre Weise hält diese Aufführung von Reginald Roses Psychogramm der Verfilmung mit Henry Fonda stand. Vor allen Dingen dadurch, dass all das Engagement, das wochenlang investiert wurde, dass der Zusammenhalt der Gruppe, dass die Begeisterung für das Theater bemerkbar war. Der berühmte Funke ist auf das Publikum übergesprungen. Es gab denn auch "standing ovations" für diese gelungene Leistung. Man darf auf das nächste Stück gespannt sein.

Wetterauer Zeitung, 04.09.1990

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