Theater Alte Feuerwache e. V.

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Zeitsprung ins dritte Jahrtausend

 

Das Theater Alte Feuerwache gastiert im Kurtheater Bad Nauheim mit Bertolt Brechts „Dreigroschenoper"/ Bettler der Zukunft

Drei Stunden lang schwingen sie brav den moralischen Zeigefinger, ehe die Inszenierung fast alles verdirbt. Mädchen in knöchellangen Roben schleppen den armen Bert Brecht auf die Bühne, der Mackie Messer die Freiheit schenken soll. In der Rolle des Boten, der selbstverliebt an seiner Zigarre saugt, wendet er den Ausgang der „Dreigroschenoper" zum Guten. Was Pia Nußbaum und Stefan Wendt im Kurtheater Bad Nauheim als originellen Höhepunkt erdachten, machte ihre Absichten mit einem Schlag zunichte.

Obwohl Brecht dem Illusionstheater gehörig zusetzte, das Bürgertum provozierte, mit Spruchbändern das Gezeigte als Schein entlarvte, behielt er selbst festen Boden unter den Füßen. Inmitten der Charaktere, die er mit Nachdruck als fiktive Gestalten auswies, wird er nun selbst als Rollenfigur bemüht. Weil Brecht im Hintergrund blieb, gewann seine „Oper" kritische Schärfe. Als Mitspieler nimmt er ihr den Bezug zur weiten Welt jenseits der Bühne. Die beiden Regisseure haben die Geschichte von Peachum, dem König der Bettler, und Mackie, dem Verbrecher, durch Zeit und Raum weit in das dritte Jahrtausend katapultiert, wenn der Groschen längst dem schicken „Euro" gewichen ist und keiner mehr mit dem anderen reden will.

Dort zelebrieren Nußbaum und Wendt das tragische Schicksal des Macheath, der Peachums Tochter Polly zur Frau nimmt, was den Groll des Schwiegervaters schürt. Metallbalken umzäunen das futuristische Soho, vermutlich ein Raumschiff, das allein den Namen des englischen Ortes trägt. Der König der Bettler blickt eitel von seinem Baugerüst herab, lässt die Gestalten des Elends aufmarschieren, die das Geberherz erweichen sollen, während er die Untergebenen tyrannisiert. Robert Garmeister lässt den Peachum mit verkniffener Miene und sanfter Stimme um Gewinnanteile feilschen, mimt ihn als abgebrühten Geschäftsmann, der seine Tochter keinem Verbrecher kampflos überlassen würde.

Doch dann folgt Mackie, der Polly im brustfreien Hercules-Kostüm steifbeinig zur Hochzeitstafel führt, und das Gefecht ist entschieden, bevor es begann. Eckart Winkler degradiert den gefürchteten Mörder zum blassen Taschendieb, der heiser seine Lieder krächzt und die Zähne bleckt, als müsse er Zahnpasta vermarkten - um jeden Preis.

Die Regisseure haben ein düsteres Volk gezeichnet, das Gespräche verweigert und fortwährend der Verfremdung huldigt. Neben hochdosierter Sozialkritik in Monologen an der Rampe bleiben Spaß und Unterhaltung nahezu auf der Strecke. Allein das Junge Sinfonie-Orchester Wetzlar unter der Leitung von Peter Schombert durchlüftet den bedeutungsschweren Vortrag mit einer schwungvollen Umsetzung von Kurt Weills Musik. Da die Figuren mit ihrem Belehrungs-Fetischismus alle Komik der literarischen Vorlage getilgt haben, holen sie banalen Witz durch die Hintertür in den Orbitkreuzer. Emsig rühren die Huren ihren Kaffee, und der bestechliche Polizeichef Tiger-Brown schlottert so erbarmungswürdig, als wolle ihm Macheath seinen unappetitlichen Zahnstocher zwischen die Rippen stoßen.

Viola Muscola als Polly singt sich kräftig vom braven Mädchen im blauen Plastikkleid zur listigen Gangsterbraut, die nach Mackies Vermögen giert, noch bevor er am Galgen baumelt. Schon fasst ihr ein Wärter an die Brust, und der Gatte sieht zu, während der Autor höchstpersönlich den ganz und gar ungebildeten Kopf vor der Schlinge bewahrt. Freilich ein schwacher Trost für jemanden, der Brecht nur als Imperativ von "brechen" kennt. 

ALEXANDER BARTI, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 9. Juli 1996, Seite 42

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