Theater Alte Feuerwache e. V.

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Wetterauer Zeitung

"Dreigroschenoper" begeistert gefeiert

 

Schreckensvision von einer kalten Welt: Vor ausverkauftem Haus liefert TAF eine bravouröse Vorstellung

Als der Vorhang am Ende der Premierenvorstellung der "Dreigroschenoper" von Bertold Brecht fiel, war das Publikum begeistert. Mit tobendem Applaus wurde am Freitagabend der Schauspielgruppe des Theaters Alte Feuerwache (TAF), dem Jungen Sinfonie-Orchester Wetzlar und allen Helferinnen und Helfern für eine bravouröse Vorstellung am Freitagabend gedankt. Schon im Vorfeld gab es Anerkennung für den Mut der Laienschauspieler, sich an solch ein schwieriges Stück zu wagen; dass die jungen Theaterschauspieler, Regisseure und Musiker es auch gekonnt auf die Bühne brachten, verdient größten Respekt.

Seit September probten die Jungschauspieler an Brechts berühmtestem Werk, und noch ein paar Tage und Stunden zuvor schien nichts klappen zu wollen. Die große Begeisterung des Publikums zeigte jedoch, dass sich Mühe und großer Aufwand gelohnt hatten. Angespornt durch den kräftigen Szenenapplaus, spielten Darsteller und Musiker von Minute zu Minute besser. Von den Kostümen über die Bühnenausstattung und die Choreographie war alles sehr gut ausgetüftelt und ausgearbeitet worden. Erstaunlich gut klappte auch das Zusammenspiel zwischen Schauspielern, Sängern und Musikern, die erst seit kurzer Zeit zusammen proben konnten.

Den stärksten Beifall erhielt an diesem Abend Viola Muscolo. Sie überzeugte in der Rolle der Polly, der Braut von Mackie Messer; als mal trotzige Tochter, mal treue, dann wieder eifersüchtige und zum Schluss wütende Ehefrau. Ihre schauspielerische Leistung war herausragend. Was wäre Brechts Dreigroschenoper ohne die gewöhnungsbedürftigen und schmissigen Songs von Kurt Weill? Wann immer Viola Muscolo alias Polly ihre herzerweichenden, zornigen oder kämpferischen Lieder vortrug, war ihr begeisterter Applaus sicher.

Auch Robert Garmeister als ihr Vater Jonathan Jeremiah Peachum ging völlig in seiner Rolle als kalter und berechnender Geschäftsmann auf. Garmeister spielte Peachum als monotonen, fast schon futuristischen König der Bettler, der in seinem Schwarz-Weiß-Denken gefangen ist. Ganz allgemein kann man den beiden Regisseuren, Pia Nußbaum und Stefan Wendt, zu ihrer guten Rollenbesetzung gratulieren. Mackie Messer trat als ignoranter Macho und Weiberheld auf, der nur eines liebte: sich selbst. Eckart Winkler verkörperte überzeugend diesen arroganten und selbsternannten Helden des Stückes.

Besonders gelungen ist die Umsetzung des Werks auf die heutige Zeit. Handlungsort ist das düstere Großstadtmilieu in London. Die Atmosphäre auf der Bühne ist kalt und unpersönlich. Kulissen und Kleidung sind aus künstlichem und abschreckend nichtssagendem Material. Nur Polly sticht mit ihrem leuchtend und glänzend blauen Kleid heraus. Manchmal glaubt sich der Zuschauer in eine Horrorvision der Zukunft versetzt.

Auch ist es kein Familienidyll, das die Familie Peachum vorlebt. Die Mutter, dargestellt von Anja Hoffmann, ist eine Säuferin, der Vater nutzt die Ärmsten der Armen, die Bettler, schamlos aus, und die Tochter - von den Eltern daraufhin als "Schlampe" beschimpft - heiratet aus Trotz den berüchtigten Verbrecher Mackie Messer. Jede/jeder spielt und lebt für sich und ist nur auf seinen eigenen Vorteil aus. In dieser Welt der Gleichgültigkeit gibt es weder Werte noch Moral.

Um dem Zuschauer jegliche Illusion zu nehmen, wurden die einzelnen Songs von der Hure Betty, dargestellt von Tanja Ecker, angekündigt. Eine weitere Entfremdung: die Regie ließ die Schauspieler, die in einer Szene mitwirkten, größtenteils auf der Bühne stehen. Es ist eine verkehrte Welt, die dem Publikum vorgehalten wird. Das Unnormale steigt zum Alltäglichen auf, Liebe steht im dauernden Wechsel mit Hass, und von den Menschen, denen man vertraut, wird man verraten.

Wenn sich die einen an Traditionen orientieren, werden sie von anderen veralbert und verspottet. Nirgends gibt es Halt, nirgends kann der Mensch beruhigt sein. Die Übersetzung der Dreigroschenoper in die heutige Zeit zeichnet überspitzt die Tendenz zu Individualismus, Selbstsucht und Gleichgültigkeit gegenüber Mitmenschen.

Polly sehnt sich nicht ausdrücklich nach einem Mann, der auf ihre Gefühle achtet und "weiß, was sich bei einer Dame schickt". Sie wählt Macheath, genannt Mackie Messer. Am liebsten ist er von seinen Gaunerkumpeln umgeben, die einen völlig gestörten und verkommenen Eindruck machen. Wie unruhige Tiere laufen seine heruntergekommenen Freunde hin und her, ähneln im engen Käfig eingesperrten Tigern.

Mackie Messer selbst kann auch nach der Hochzeit nicht von seiner Gewohnheit ablassen, jeden Donnerstag zu den Huren zu gehen. Genau dies wird ihm dann zum Verhängnis: Pollys Vater Peachum, Dienstherr aller Bettler Londons, schickt Pollys Mutter zu Mackies Lieblingshure Jenny (Valérie Nicolas), die ihn daraufhin verrät. Valérie Nicolas spielt die Spelunken-Jenny, die selbstbewusste Hure, mit sicherer Körpersprache und erotischer Stimme meisterhaft; ihr hatte der ignorante Luftikus vertraut, sie liefert ihn aus.

Da kann auch Macheaths Freund, der oberste Polizeichef von London, genannt Tiger-Brown, die Verhaftung nicht mehr verhindern. Die Rolle des bestechlichen, steifen und überaus nervösen Brown spielte Florian Plock in einer ironischen Art, die dem Publikum die Gelegenheit gab, den willenlosen Polizeibeamten zu durchschauen und auszulachen. Ausgesprochen originell war die visuelle Darstellung von Browns Verhalten als Marionette, die neben dem ernsthaften Hintergrund auch einen komischen Effekt hatte.

Weiter geht es mit Opportunismus: Macheath verleugnet seine Frau, um von der Tochter des Polizeichefs, ebenfalls einer seiner Freundinnen, befreit zu werden. Diese gibt wiederum vor, von ihm schwanger zu sein, was sich nachher als eine bewusste Täuschung herausstellt. Ehrlichkeit hat in Brechts gesellschaftskritischem Theaterstück keine Chance. Natürlich darf in einer so verkommenen Welt Erpressung nicht fehlen. Durch sie zwingt der erzürnte Vater den Polizeichef, Mackie Messer erneut festzusetzen.

Und endlich, als der skrupellose Verbrecher und Playboy nun doch zu seiner gerechten Strafe am Galgen kommen soll, und seine "Freunde", seine Frau, seine Geliebten und die Schwiegereltern nicht sonderlich traurig über seinen bevorstehenden Tod sind, wird er von der Königin begnadigt und in den erblichen Adelsstand erhoben. Spätestens in dieser Szene wird derjenige eines Besseren belehrt, der immer noch die Vorstellung von einer heilen und moralischen Welt in sich trägt.

Nach ihrer ideenreichen, gelungenen Inszenierung des dreistündigen Stücks wurden die jungen Künstlerinnen und Künstler mit wildem Applaus gefeiert und erst nach drei Vorhängen von der Bühne gelassen.

Angelika Bucerius, Wetterauer Zeitung, 24.06.1996

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