


Zusatzaufführungen

7. - 9. Mai 2010

Premiere: 19. Juni 2010
Schwester Rose
Premiere: 04. Dezember 2010
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Premiere: 2011
|
Belehrungen für Feuer, Dunkelheit, Ohnmacht
"Bussi für Doris": TAF-Kabarettgruppe schoss mit ironisch-spitzen Pfeilen auf Bonn, Badestadt und Bürokraten
So einen Andrang hatte die Kleinkunstbühne der Alten Feuerwache schon lange nicht mehr gesehen:
Die Freunde von TAF und Kabarett standen Schlange, um Karten für die "Welturaufführung" des "Bussi für Doris" zu ergattern,
doch die Vorstellung war schon bald ausverkauft.
Wem der Zutritt zu den heiligen Hallen gewährt wurde, musste sich an der Eingangstür
von zwei sonnenbebrillten Türstehern auf Unbedenklichkeit testen lassen und konnte dann bei leiser Musik Platz nehmen.
Das Programm begann mit Belehrungen über Sicherheitsbestimmungen im Falle von Feuer, Dunkelheit und Ohnmacht -
wobei an der Ernsthaftigkeit dieser Anordnungen angesichts des drohenden Verhaltens der Türsteher kaum gezweifelt werden konnte. Die von teilweise politischem
Negativismus geprägten Episoden bezogen sich meist auf die Wiedervereinigung und Einheit Deutschlands,
wobei die Bonner Prominenz keineswegs zu kurz kam.
So wurden die Voraussetzungen für den Charakter eines "Politikerlehrlings" mit Unehrlichkeit, Redegewandtheit und Hang zur Korruption bildhaft dargestellt.
Aus "Where have all the Flowers gone" wurde "Sag' mir, wo die DM ist". Zweites beliebtes Thema: Bad Nauheim. Ein mehr oder weniger leicht angesäuselter Herr schwankt lärmend durch die Altstadt
und wird vom diensthabenden Polizisten angehalten, der ihn auf die "22-Uhr-Ruhe-Klausel" aufmerksam macht.
Doch als der Freund und Helfer feststellt, dass es sich bei dem Störenfried um einen Kurgast handelt, zieht er sich unterwürfig zurück. Thema Nummer drei: die berühmt-berüchtigte deutsche Bürokratie.
Ein junger Mann will seinen abgelaufenen Personalausweis verlängern lassen.
Da er aber weder einen gültigen Reisepass noch seine Geburtsurkunde vorweisen kann,
ist er formell nicht existent und hat nur zwei Möglichkeiten: auswandern oder Sterbeurkunde ausstellen lassen. Seit November letzten Jahres hat die Gruppe das Programm geprobt,
Götz Hofmann und Armin Schuster wollen ihre Texte immer auf dem laufenden halten und,
falls nötig, auch aktualisieren.
Die Arbeit hat sich bezahlt gemacht: Das überwiegend junge Publikum ließ sich begeistern und forderte Zugaben.
Ob das nach dem "Heimspiel" in der Feuerwache auch bei den folgenden Auftritten so sein wird, muss die Zukunft zeigen.
Stationen der "Tournee" sind voraussichtlich Hanau, Wölfersheim, Friedberg und noch einmal das Bad Nauheimer Jugendzentrum.
Wetterauer Zeitung, 1991
|