Theater Alte Feuerwache e. V.

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Wetterauer Zeitung

...und allen sitzt die Angst im Nacken

 

TAF hatte Premiere mit dem Brecht-Stück "Furcht und Elend des Dritten Reiches" - Stürmischer Applaus für das Ensemble

Soldatenlieder, die durch den Bühnensaal der Trinkkuranlage schallten, empfingen die zahlreich erschienenen Zuschauer zur TAF-Aufführung "Furcht und Elend des Dritten Reiches". Einstimmung für die als szenische Lesung angekündigte, brillant zusammengestellte Collage aus gespielten Szenen des 1939 in der Emigration geschriebenen Brecht-Stücks und gelesenen literarischen Texten von Erich Fried, Peter Weiss und Paul Celan sowie Zeitdokumenten. Die Aufführung ist dritter und letzter Teil der Veranstaltungsreihe "Wochenende wider das Vergessen".

An der Seite des Saals steht Julia Effinger auf einem Gerüst und liest Brechts Text "Die deutsche Heerschau", der von den Kriegsvorbereitungen handelt. Auf der Bühne stehen Soldaten, die im diffusen Licht nur als schemenhafte Figuren zu erkennen sind, und exerzieren. Was das für ein Volk ist, auf dessen "blutroter Flagge" ein Kreuz ist, wird man sich in den nächsten 90 Minuten genauer ansehen können. Der derb polternde Nazi-Scherge gehört ebenso dazu wie all die einfachen, unpolitischen Leute aus allen Schichten. Mitläufer und Denunzianten, Täter und Opfer werden gezeigt, und irgendwie sitzt doch allen die Angst im Nacken.

Die kleinen Tricks der Denunzianten

SA-Mann Theo, ein rechter Prahlhans, lässt sich von seiner Freundin Anna, einem Dienstmädchen, in der Gesindeküche durchfüttern. Mit seinen üblen Scherzen traktiert er alsbald den arbeitslosen Bruder der Köchin (Eckart Winkler). Doch der entlockt ihm, in gespielter Naivität, die gemeinen Tricks, mit denen Nazis Widerrede gegen den Führer provozieren und anschließend denunzieren. Die kleine Episode aus dem "Privatleben der Herrenrasse" (so hieß die amerikanische Fassung des Stücks) lassen die Akteure, pointiert erzählt und in stimmigem Tempo, lebendig werden. Auch in der anschließenden Kontroverse zwischen Anna und Theo, die plastisch zeigt, wie weit die "braune Politik" das Private durchsetzt hat, wird der Spannungsbogen aufrechterhalten. Dafür gibt es dann auch wohlverdienten Szenenapplaus für Thorsten Reuter und Heike Möhlen.

Die folgende Spielszene leitet Stefan Wendt mit einem Text über den Ausschluss der Juden vom öffentlichen Leben ein. Mit trockener, lauter Stimme vorgelesen, wird die Unmenschlichkeit der Göring-Verordnung deutlich gemacht. Der Text hallt nach, wenn Heike Wolf, die zuvor der Köchin Gestalt gab, die Jüdin Judith spielt. Per Telefon verabschiedet sie sich von Bekannten. Ein ergreifender Monolog, den die Darstellerin mit nuanciert gespielten Emotionen meistert. Im Dialog mit dem Ehemann (Jens Reid) wird das Einzelschicksal in einen gesellschaftlichen Rahmen gestellt: Privates Glück wird für die Räson eines zweifelhaften Staates geopfert; die Trennung wird zum Verrat.

" Die Wände haben Ohren"

Dass Denunziantentum allgegenwärtig ist, dass selbst Kinder in den Verdacht geraten, Spitzel zu sein, zeigt sich, wenn eine alltägliche Familienszene zum paranoiden Alptraum gerät. "Die Wände haben Ohren", warnt die Mutter (Irina Zikuschka) den Vater (Jens Reid). Und das Bühnenbild, das Stefan Wendt als Arrangement aus fragilen Paravents, offenen Türrahmen und geschlossenen Fensterläden gestaltet hat, scheint wahrhaft Ohren zu haben und selbst in den eigenen vier Wänden jegliche Privatsphäre auszumerzen.

Den Text hat Brecht durch Verdrehungen ins Absurde gesteigert, die Akteure jedoch steigern sich in Hysterie hinein. Da wird ein bischen arg gepoltert, gebrüllt und geschrien, da werden sich die Haare gerauft und wild gestikuliert, um den Text zu illustrieren, anstatt diesen für sich selbst sprechen zu lassen. Löst sich das Missverständnis dann endlich auf, fällt Regisseur Jens Reid nichts Besseres ein, als sich die Darsteller in die Arme fallen zu lassen. (Laute Verzweiflung packt auch die Widerständler angesichts ihrer Ohnmacht und Furcht in einer späteren Szene.) Zu viel Gefühl aber tut Brecht nicht gut. Brechts Verfremdung, die zwar den Aufführungen oft einen spröden, hölzernen Charakter gab, wirkt jedoch dem in den Texten manchmal allzu dick aufgetragenen Pathos entgegen. Pathos in Verbindung mit naturalistischer Spielweise birgt leider die Gefahr, zur kitschigen Ikone zu werden, wenn sich minutenlang Schauspieler umarmen.

Texte, die unter die Haut gehen

Doch ein so ambitioniertes Projekt wie die TAF-Aufführung scheitert nicht an einem zum Tableau geronnen Szenenschluss. Stringente Dramaturgie weist dann auch die Szene "Winterhilfe" auf. Abrupt wird aus Päckchen-bringenden Nazis ein streitsuchender und wahllos prügelnder Schlägertrupp. Besonders gehen jedoch die von Julia Effinger mit leiser Stimme gelesenen Textpassagen aus "Die Ermittlung" von Peter Weiss, die das nackte Überleben im Konzentrationslager schildern, unter die Haut. Ebenso der von Stefan Wendt kühl und scharf vorgetragene Auszug aus einer Reichstagsrede: Durch die Vortragsweise und im Kontext mit den Spielszenen wird der von Hitler postulierte Pazifismus als menschenverachtender Zynismus entlarvt.

Mit dem Widerstandslied "Die Moorsoldaten" setzt das Ensemble zum Schluss der Resignation einen Hoffnungsschimmer entgegen. Für die ausgezeichnet gelesenen Texte, die guten schauspielerischen Leistungen (die so gar nichts von Schultheater haben und die nicht immer stringente Dramaturgie vergessen ließen), gab es dann auch stürmischen Beifall für das Team auf und hinter der Bühne.

Heike Storch, Wetterauer Zeitung, 02.02.1994

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