Theater Alte Feuerwache e. V.

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Mrozek in Ober-Hörgern: Von der Weehd gab es kein Entrinnen 

 

Theater Alte Feuerwache Bad Nauheim glänzte mitten im Dorf mit absurdem Einakter

OBER-HÖRGERN (dö). Nicht nur „Auf hoher See", auch von der ehemaligen Ober-Hörgener Viehtränke und Wasserholstelle gab es kein Entrinnen. Mitten auf der Weehd dümpelte ein Floß auf dem Wasser. Drei Herren im Frack, der Dicke, der Mittlere, der Schmächtige, standen barfuß auf den Planken und waren schiffbrüchig, vor allem aber nahrungslos und hungrig. Also musste einer von ihnen gefressen werden. Es war nur die Frage, wer das Opfer werden würde, und 200 Besucher schauten, teils gebannt, teils amüsiert, teils auch ein bisschen verstört zu, wie sich. Slawomir Mrozeks absurder Einakter entwickelte. Zu Gast war in Ober-Hörgem das Theater Alte Feuerwache Bad Nauheim (TAF), dessen Darsteller in einer beeindruckend professionellen Inszenierung ihr Spiel vom Fressen und Gefressenwerden, vom Kampf ums Überleben in einem Mikrokosmos entwickelten. 

In Mrozeks pointierten Dialogen offenbarten sich Lebenslügen, ,falscher Schein und Pathos einer Menschheit, die existentiell in die Enge getrieben den Rückfall in dem Kannibalismus exerziert. Mit schwarzem Humor und bitterbösere Spott führte ein an Intelligenz, Temperament und Charakter ganz unterschiedliches Trio vor, wie schnell sich die dünne Tünche Zivilisation in Extrembedingungen auflöst und unter ihrer dünnen Oberfläche nichts weiter übrig bleibt als die raubtierhafte Situation, in der nur noch „Fressen oder Gefressenwerden" gilt. Und das im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei wurde der Abstieg in die menschliche Hölle auf recht zivilisiertem Wege beschritten. Man argumentierte scheinbar artig und mit dem geboten Maß an Höflichkeit, obwohl die Rollen von Anfang an verteilt waren. 

Chef im Ring war „der Dicke" (Stefan Wendt), ein Volksverführer und diktatorisches Genie, dessen Macht „den Mittleren" (Gunnar Bolsinger), einen gelernten Schlachter und stupiden Intellektuellenhasser, zum willigen Werkzeug, und den unbeholfenen durchgeistigten „Schmächtigen" (Robert Garmeister) zum Opfer macht. Am Ende, das Todesurteil ist verkündet, das Metzgermesser wird zum Abstechen schön scharf gewetzt, übernimmt das Opfer die Argumente seiner Mörder und rechtfertigt seinen eigenen Untergang. So mag es nicht nur in den totalitären Schauprozessen dieses Jahrhunderts zugegangen sein, bei denen sich Menschen hilflos einem grausamen Machtgefüge gegenüber sahen, das ihnen nicht nur Freiheit und Gerechtigkeit, sondern auch die persönliche Würde und Ehre nahm.

In Mrozeks Stück wurde die Beklommenheit mit absurden Mitteln der Inszenierung immerwiederzurückgenommen. Ein schwimmender Postbote tauchte in den Weehd-Fluten auf, der den Schiffbrüchigen Briefe brachte. Und auch ein bezopfter Lakai (Christian Neumeyer in einer nassen Doppelrolle) kraulte in den Wellen, um seinem Herren, dem Opfer, Nachricht von zu Hause zu bringen. Das Absurde watete im Absurden. 

Am Schluss gab es reichlich Beifall der 200 für die Akteure, auch für Christine Külzer und Valérie Nicolas, die zu Beginn Auszüge aus Hans-Magnus Enzensbergers Epochalwerk „Der Untergang der Titanic" vortrugen. Es applaudierte auch die Besatzung des Seeräuberschiffs der Ober-Hörgener Wetterpiraten, die dem Spiel ebenso von höherer Warte folgten wie Besucher auf einem bereitgestellten Erntewagen oder ganze Familien von ihren Hausbalkonen.

Die Ober-Hörgerner „Naturbühne" bestand ihre „Feuertaufe" recht famos, auch wenn einer der Bühnen-Helfer beim Umbauen nach dem Prolog unfreiwillig baden ging. Und so sei den Initiatoren, allen voran dem Freundeskreis Burg und Stadt Münzenberg, dem Gesangverein „Germania" Ober-Hörgern, dem TFV 1972 Ober-Hörgern und der Freiwilligen Feuerwehr Ober-Hörgern herzlich für ihr Engagement gedankt. Besonders freute sich Ortsvorsteher Lothar Düringer, dass sein Stadtteil, nach Münzenberg und Garnbach, nun auch die Liebe zum Theater entdeckt hat.

„Spielt ihr schon immer hier?", fragte einer aus dem TAF-Troß beim Auseinandergehen den Münzenberger Freundeskreis-Vorsitzenden Uwe Müller. „Nein, das war heute die Premiere. Was noch nicht ist, kann ja noch werden", lautete die Antwort.

Butzbacher Zeitung, 02.06.1998

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