


Zusatzaufführungen

7. - 9. Mai 2010

Premiere: 19. Juni 2010
Schwester Rose
Premiere: 04. Dezember 2010
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Premiere: 2011
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Eine Killerpflanze singt Soul und rülpst
TAF feierte Premiere des gelungenen Musicals "Der kleine Horrorladen" / Mehr Vorstellungen im Bad Nauheimer Badehaus
Irgendwo in einer miefigen Vorstadt. Das Leben ist grau in grau
und der Alltag so eintönig wie Linseneintopf. Eine Uhr tickt. Es ist fünf
vor zwölf und Audrey hat wieder einmal ein Veilchen. Im wirklichen Leben ist
es Samstagabend, 20.15 Uhr und das Theater Alte Feuerwache (TAF) feiert
Premiere - mit dem Kult-Musical "Little Shop of Horrors" von Alan Menken
(Musik) und Howard Ashman (Texte) von 1982. Die Atmosphäre ist angespannt.
Die Schauspieler sind nervös, das Publikum verhalten. Doch als Pflanze
Audrey Zwo zum ersten Mal aus den Tiefen ihrer grünen Seele herzhaft rülpst,
bricht das Eis.
Mit "Der kleine Horrorladen" hat das TAF Neuland betreten. Nicht nur der
Wechsel vom ernsten Schauspiel hin zum leichten Singspiel, auch der enorme
technische Aufwand erforderten ein hohes Maß an Engagement. Die Produktion
erweist sich als gelungen schrilles und schillerndes Szenario. Im
Mittelpunkt der Geschichte um Audrey, Seymour und Mr. Mushniks Blumenladen
in der Skid Row steht ein Zufallsprodukt aus Seymours Züchtung: Audrey Zwo,
eine gefräßige Pflanze mit blutrünstigem Geheimnis. Doch zunächst zieht die
Schöne ihr Umfeld in Bann. Seymour hegt und pflegt sie und verzehrt sich
nebenbei nach Audrey Eins, seiner Kollegin. Diese ist jedoch auf Gedeih und
Verderb Orin, einem (Horror)-Zahnarzt, ausgeliefert. Das Blatt wendet sich,
als Audrey Zwo ihr wahres Wesen entpuppt: Als Blut saugende Pflanze
verschafft sie ihrem Züchter Ansehen, Reichtum, Liebesglück - und eine
fortschreitende Anämie. Seymour bleibt aus dem Dilemma nur die Verfütterung
zweier unangenehmer Zeitgenossen. Mr. Mushnik und der sadistische Zahnarzt
dienen Audrey Zwo als Nahrung.
Die TAF-Inszenierung unter Regie von Stefan Wendt hat glücklicherweise den
Schwerpunkt nicht auf Blutrünstigkeit, sondern auf Parodie gesetzt: Der
amerikanische Traum von Reichtum, Glück und Harmonie wird klischeehaft
verzerrt in grell bunten Bonbonfarben dargestellt. Das Streben nach einem
Leben in der Vorstadtidylle mit Häkelgardine und Salzstangen-Geknabber vor
der Glotze erweist sich als Trugschluss. Audrey Eins segnet ebenso das
Zeitliche wie der völlig durchgeknallte Orin Scrivello, der sein Leben durch
eine Überdosis Lachgas verliert.
Einzig Audrey Zwo bleibt was sie ist: eine Killerpflanze, die schließlich
auch das Publikum bedroht... Absolut klasse: Valérie Nicolas, die der
Pflanze die unverwechselbare soulige Stimme verleiht und gekonnt
erotisch-lasziv "Gib's mir, Seymour" haucht. Herrlich überzeugt die
komödiantische Leistung von Gunnar Bolsinger alias Orin, der die Zuschauer
mit schmierigem Machogehabe zum Lachen verleitet. Dümmlich-rührend gibt
Carolin Cuntz die Audrey Eins, während Robert Garmeister sich als Seymour
zum geschäftstüchtigen Ladenbesitzer hoch singt. Gelungen sind dem TAF die
perfekte Bühnenausstattung und die tollen Kostüme. Perfekt stellen sich auch
das Bühnenbild von Christian Neumeyer, Gunnar Bolsinger und die Requisite
von Anja Hoffmannn dar. Ihre bis auf das I-Tüpfelchen gearbeiteten Details
verblüffen. "Special Effects" wie Stimmverzerrung, Licht und Ton sowie die
"Belebung" von Audrey Zwo durch Christian Dillenburger gelingen ebenso
genial.
Gelegenheit für einen Einkauf im kleinen Horrorladen bietet sich am Freitag,
2. Februar, 20 Uhr, Badehaus 2. Karten gibt es in der Buchhandlung am Park,
Tel. 0 60 32/ 25 25. Weitere Vorstellungen bis April.
Susann Barczikowski, Frankfurter Rundschau, 30.01.2001
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