Theater Alte Feuerwache e. V.

Theater Alte Feuerwache e. V. im Badehaus 2
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Wetterauer Zeitung

Unheilvoll verstrickt in Bosheit und Verrat

 

Mit der ersten Produktion im neuen Haus unterstreicht das TAF seinen künstlerischen Anspruch

Nach Hamlet, Othello und König Lear ist Macbeth die letzte und kürzeste der vier großen Tragödien William Shakespeares, das Wirken des Bösen an sich, Verrat und Doppeldeutigkeit sind ihre Themen. Für die erste Eigenproduktion im "neuen Haus" hat das Theater Alte Feuerwache (TAF) einen schwierigen, häufig gespielten Klassiker ausgewählt, ihn durch Straffung auf den Punkt gebracht und ohne Schnörkel inszeniert, dabei Reife und Können unter Beweis gestellt. Über den reinen Amateurtheaterstatus ist diese Truppe längst hinausgewachsen und aus dem kulturellen Leben der Badestadt nicht mehr wegzudenken.

Die Aufführung auch im Badehaus 2 steht und fällt mit der Figur des Macbeth, und hier hat sich Gunnar Bolsinger als ausgezeichnete Wahl erwiesen. Mit großer Wandlungsfähigkeit durchläuft sein Macbeth die Entwicklung vom loyalen Lehnsmann und tapferen Krieger zum heimtückischen Mörder, zum von Ehrgeiz zerfressenen Usurpaten, zum verhassten Tyrannen und behält dabei doch, ganz im Sinn des Autors, das schaudernde Mitleid des Zuschauers, den die Zerrissenheit des Protagonisten, seine latenten Zweifel, seine Furcht vor Verdammnis und seine trotzige Erkenntnis mitfühlend berühren, das ewige Heil unwiderruflich vertan zu haben.

Aus anderem Holz geschnitzt ist Macbeths Gattin, phantasie- und (scheinbar) skrupellos, dabei blind vor Ehrgeiz. Klar und scharf zeichnet Christine Külzer in den ersten Szenen jene kaltherzige Frau, deren Einflüsterungen ihres Mannes Bedenken wiederholt verscheuchen. Früher und deutlicher als in der literarischen Vorlage zeigt die von Viola Muscolo und Pia Nußbaum verantwortete, homogene Inszenierung den Weg, der Lady Macbeth ihrerseits zum Verrat am Gatten führt: Das unterdrückte Schuldgefühl raubt der "zarten Frau" den Schlaf und trübt ihre Sinne; sie bringt sich um und lässt Macbeth unmittelbar vor der entscheidenden Schlacht allein zurück.

Die Aufführung setzt in Abweichung vom Shakespearschen Text einen weiteren wichtigen Akzent. Sechs namentlich benannten Akteuren (im Original sind es 17) stehen sechs (im Text drei) Hexen gegenüber, die als Verkörperung des teuflisch-mystischen Bösen das im Mittelalter gängige Zerrbild der weisen Frauen reflektieren. Anja Hoffmann, Kim Eberhardt, Carolin Cuntz, Valerie Nicolas, Katrin Garmeister und Kelly Kynast statten die in der Inszenierung anders als im Text allgegenwärtigen "Unheilsschwestern" zusätzlich mit jener Lüsternheit aus, die in den Hexenprozessen der frühen Neuzeit als charakteristisches Merkmal der angeblichen Teufelsbräute galt. Nebenbei erfüllen die Hexen Lückenbüßerdienste, führen dort in der Handlung weiter, wo Nebenrollen gestrichen wurden.

Die Ausgestaltung der Hexenrollen ist ein ausgesprochen gelungener Regieeinfall. Gestisch, mimisch und akustisch beleben die Hexen die häufigen Monologe und setzen - ganz im Sinn der geradlinigen Inszenierung - im Text scharfe Akzente. Schon Shakespeare bediente sich "seiner" Hexen auch als einer Art griechischen Chores. Eine weitere Anleihe an die Antike ist die Gestalt der Hekate (Martina Mischke), in der griechischen Mythologie bekannt als Göttin des nächtlichen Spuks, die der Dichter zur Herrin der Hexen erhob.

Auffällig an der passend zur Inszenierung klar und knapp gehaltenen Ausstattung ist die Farbsymbolik vor allem der durchweg streng geschnittenen Kleider: die Hexen in fast schwarz wirkendem Blau als Verkörperung des schillernd Bösen, Macbeths Freund und Opfer Banquo (Christian Neumeyer) sowie der Adlige Ross (Alexander Bodden) im Weiß der Unschuld, Macduff (großartig als zerbrochener Vater: Stefan Wendt), dessen feige Flucht nach England seine Frau (Andrea Putz) und Kinder (bezaubernd naseweis: Katharina Schmidt und Remi Lenz) mit dem Leben bezahlen müssen, in Weiß-Grau, Macbeth, der Wanderer zwischen den Seiten, in Schwarz-Weiß, der von ihm gedungene Mörder (überzeugend effektiv: Christian Dillenburger) schließlich ganz in Schwarz.

Einfach genial (einfach) das Bühnenbild: Graue Blöcke dienen als Hügel, Sessel, Tafel; im zweiten Teil nimmt ein blutrotes Tuch, lose über sie geworfen, symbolisch das dramatische Ende vorweg. Die Musik steuerte wie schon bei der letztjährigen Produktion "Auf hoher See" Nils Nolte bei; Bühnenbild, Bauten, Kostüme und Maske lag in der Verantwortung der Darsteller(innen), Thomas Leichtweiß und Peter Meyer setzten alles ins rechte Licht.

"Macbeth" im Badehaus 2: eine in sich geschlossene, überzeugende Inszenierung, an die man sich noch lange und gern erinnern wird. Ein Wermutstropfen zum Schluss für diejenigen, die das Stück ebenfalls gerne sehen würden: Auch die neunzig Karten für die zusätzlich angesetzte Aufführung am 29. Oktober waren binnen zwei Stunden vergriffen.

Hedwig Rohde, Wetterauer Zeitung, 16.10.1999

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