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Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt von der Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade

 

Der Autor: Peter Weiss

Jüdische Vorfahren aus Ungarn und der Slowakei, alemannische aus dem Breisgau. Geboren am 8.November 1916 in der Nähe von Berlin, Staatsbürgerschaft der Tschechoslowakischen Republik. Kindheit und Jugend in Berlin und Bremen. Lehr- und Wanderjahre in der Schweiz und Prag. Emigration nach England und später nach Schweden. Schriftstellerische Arbeit in Kontakt mit beiden deutschen Staaten. Zunehmendes Engagement für die Befreiungsbewegungen in der Dritten Welt.

All das verdeutlicht Peter Weiss' Aussage von 1979. Er habe "sich abgewöhnt, Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation zu entwickeln".

Peter Weiss, der Kosmopolit, der Mensch ohne Heimat, gerade dort zuhause, wo er sein Bett, seinen Tisch stehen hat? Als Peter Weiss im Jahre 1963 zur Zeit der Frankfurter Auschwitz-Prozesse das Konzentrationslager auf polnischem Boden besucht, schreibt er einen knappen Text, der zu einer geradezu existenziellen Ortsbestimmung führt. Denn all die Städte, in denen Weiss lebte, waren "Durchgangsstellen, und nur eine Ortschaft, in der ich nur einen Tag lang war, eine Ortschaft, für die ich bestimmt war und der ich entkam, bleibt bestehen". Auschwitz.

Er hat es für sich entdeckt und deutet es als seinen verborgenen, wenngleich bestimmenden Bezugspunkt auch seiner persönlichen Lebensgeschichte. Die Geschehnisse in Auschwitz negieren die Möglichkeit Heimat durch die hunderttausendfache industriell vollzogene Vernichtung menschlicher Existenz und damit auch die Vernichtung individueller Bindungen wie Herkunft, Biographie und Nationalität.

Und für den Emigranten Peter Weiss war das bloße Entkommen nicht gleich einer neuen Perspektive des Weiterlebens, sondern gleich einer seltsamen Erfahrung eines Vakuums, in dem das Weiterleben aus Zufall stets gefährdet bleibt: Er stand auf den Listen der Nazi-Schergen, er sollte nach Auschwitz, aber durch Emigration entkam er.

Später wird er in seinem Stück "Die Ermittlung" auch den Fatalismus ansprechen, der viele Menschen in diesen Tod stürzte: "Es ist nicht zu ändern, sie sind mächtiger als wir" - und er wird dafür kritisiert werden.

Seit 1946 lebt er in Schweden. Dreimal heiratet er, zuletzt Gunilla Palmstierna, die ihn die letzten zwanzig Jahre seines Lebens begleitet. Er "konvertiert" zum Marxismus, findet viele Freunde in den sozialistischen Ländern, ist Gast bei Fidel Castro. 1960 erscheinen seine ersten Prosawerke in Deutschland: "Der Schatten des Körpers des Kutschers", "Abschied von den Eltern", "Fluchtpunkt".

1964 wird sein Erstlingsdrama "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats dargestellt von der Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter Anleitung des Herrn de Sade" uraufgeführt. Als sich unter vehementem Jubel und vereinzelten Buh-Rufen der Vorhang senkt, spricht man allenthalben von "einem Geniestreich, mit dem das Interregium der Mittelmäßigkeit im deutschen Theater beendet werden könnte. Es ist tatsächlich seit Brecht das erste bedeutendere Bühnenstück eines Deutschen; das erste, das vielleicht aus bundesdeutscher Enge in die Welt ausbrechen könnte".

"Marat/Sade" wird zu einem Welterfolg. Aber auch ein Peter Weiss erleidet Rückschläge. Sein Stück "Trotzki im Exil", erschienen zum hundertsten Geburtstag Lenins, stößt in Ost und West gleichermaßen auf teilweise erbitterte Ablehnung und führt zu einem vorübergehenden Bruch in Weiss' Beziehungen zu den sozialistischen Ländern.

1970 erleidet er einen Herzinfarkt. Er nutzt die Rekonvaleszens zu einer "schonungslosen Bestandsaufnahme seiner äußeren und inneren Existenz". Es folgt in fast zehnjähriger Arbeit sein vieldiskutierter dreiteiliger Roman "Die Ästhetik des Widerstands".

Peter Weiss verstirbt am 10.Mai 1982 infolge einer Kreislaufschwäche in Stockholm. Wenige Monate später nimmt seine Frau in Darmstadt den Büchner-Preis für ihn entgegen. "Ein Büchner-Preis, der spät verliehen wird, vielleicht zu spät, kann betroffen machen, ja Angst auslösen. Man kann wohl nicht darüber hinwegsehen, dass auch politische Gründe eine Rolle gespielt haben, warum man ihm so spät erst diese Auszeichnung zusprach". Worte von Gunilla Palmstierna-Weiss bei der Entgegennahme des Preises. Man ehrte einen Unzugehörigen.

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