Theater Alte Feuerwache e. V.

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Von der Utopie bleibt nichts übrig - der Zynismus regiert

 

Das "Theater und Kabarett Alte Feuerwache" zeigte in Bad Nauheim mit großem Erfolg den "Marat/Sade" von Peter Weiss

BAD NAUHEIM. Hatten wir am Donnerstag einen schönen, geruhsamen Theaterabend? Genossen wir die "Marat/Sade" Aufführung im Kurtheater zu Bad Nauheim, dargeboten vom "Theater und Kabarett Alte Feuerwache" (TAF)? Nein, das war wirklich nicht drin. Zu aufrüttelnd und erschreckend aktuell ist das Stück von Peter Weiss geblieben, zu eindringlich, ja verstörend ist die Inszenierung von Elke Meyfarth und Stefan Wendt. Soviel steht fest: Die TAF Gruppe ist längst dem Dunstkreis des Schüler-Theathers entronnen.  Mit Sätzen wie "Das haben die lieben Kinder aber fein gemacht" beleidigt man diese Gruppe, verkennt man professionellen Anspruch und Leistung.

Diese Aufführung muss man kritisieren, als hätte sie im Wiener Burgtheater stattgefunden. Am Ende sagt der Marquis de Sade über den Sinn des Stückes im Stück: Es sei darum gegangen, Marats sozialistische Thesen gegen seine zynische Abrechnung mit der französischen Revolution zu stellen. "Ich stehe immer noch vor einer offenen Frage", resümiert Sade die Konfrontation von Idealismus und Zynismus.

Von einer offenen Frage kann bei der TAF-Inszenierung jedoch keine Rede sein, Regisseur de Sade hat ein Heimspiel und fährt einen zweistelligen Sieg nach Hause. Grund: die Interpretation des Marat durch Christoph Schwab. Er spielt den Marat von Anfang an als völlig Irrsinnigen, kratzt sich wild und verfüllt alle zehn Sekunden in spastische Krämpfe. Natürlich ist Marat nicht nur Marat, sondern auch Insasse der Anstalt Charenton. Aber die Spaltung Irrer/Marat wird nicht gezeigt, der Schwabsche Revolutionär ist komplett wahnsinnig. Resultat: Nicht eine der Thesen, zu revolutionären Zeiten nicht gerade unbedeutend, kann ernstgenommen werden - ein spleeniger Revolutionär redet dummes Zeug. Und so muss der blanke Zynismus Sadescher Prägung gewinnen. Robert Garmeister muss die Möglichkeiten des Sade nicht ausschöpfen, der Sieg ist ihm schon nach fünf Minuten gewiss. Wenn Sade dann noch einen Gestapo-Mantel trägt und Göring verdammt ähnlich sieht, lässt das Böses ahnen.

Freunde vom TAF, gibt es wirklich so wenig Hoffnung? Ist nach dem Zusammenbruch des Sozialismus nichts mehr übrig von Freiheit und Brüderlichkeit? Wenn dem so ist, dann stehe der Himmel uns bei. Jacques Roux, der ehemalige Priester, ist der einzige, der Sade wirklich Paroli bietet: Götz Hoffmann spielt ihn so, wie man den Marat auch hätte spielen können - eben nur halb verrückt. Roux glaubt an das, was er sagt und er trägt es so vor, dass das Publikum ihm ergriffen zuhört - und glaubt. Aber ein Jacques Roux macht noch keinen ernsthaften Gegner für den Herrn Marquis de Sade.

Genug der kritischen Fragen, es folgen Lobeshymnen: Die Gesangseinlagen sind schlichtweg sensationell, dem anwesenden Komponisten Hans Martin Majewski wird das Herz aufgegangen sein. Die von Weiss geforderten Tableaus, geformt aus Darstellern, sind beeindruckend gut zusammengestellt. Die Irren im Hintergrund sind immer präsent, aber nie dominant - danke für diese Bescheidenheit. Die Kostüme waren schlicht, und deshalb richtig gewählt. Was bleibt: Ein nachdenklicher Kritiker, ein Publikum, das sich die Verstörung von der Seele klatscht. Nein, TAF, zum Lachen habt ihr uns nicht gebracht.

Stephan Draf, Frankfurter Rundschau, 09.10.1994

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