Theater Alte Feuerwache e. V.

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Wetterauer Zeitung

Was ist normal, was ist verrückt?

 

Gelungene TAF-Premiere mit „Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats“ – Am Sonntag Wiederholung Bad Nauheim.

»lt's a Wonderful World« - wie der blanke Hohn klang die Melodie von Louis Armstrong aus den Lautsprechern des Bad Nauheimer Kurtheaters. Mit der fast zweieinhalbstündigen Aufführung »Die Verfolgung und Ermordung Jean-Paul Marats - dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter der Leitung des Marquis de Sade«? dem Drama von Peter Weiss zur Musik von Hans-Martin Majewski, gelang der Theatergruppe Alte Feuerwache (TAF) im fünften Jahr ihres Bestehens ein Meisterstück. Lohn der zeitintensiven Vorbereitungen war eine beeindruckende Premiere, mit der es dem Ensemble gelang, die Zuschauer in ihren Bann zu ziehen, auch wenn mit der Aufführung vielleicht nicht jedermanns Geschmack getroffen wurde. So zeigten die Zuschauer in der Pause eher Ratlosigkeit, dennoch wirkte das Stück auch nach dem Schlussvorhang noch lange nach. Darin lag aber auch die Stärke der Aufführung, denn ob man sich nun mit dem Gezeigten identifizieren konnte oder nicht, entziehen konnte man sich dem Ganzen auf gar keinen Fall. Dies lag in erster Linie an der Materie.

Die Zuschauer erwartete mit dem Stück von Peter Weiss keine leicht verdauliche Kost. Nur ganz oberflächlich betrachtet ist es ein detailversessenes Historienspiel, welches von Weiss im Jahre 1808 angesiedelt wurde und rückblickend die Ereignisse und Hintergründe der Französischen Revolution darstellt. Allein die Wahl des Ortes, eines Irrenhauses nämlich, zeigt die Vielschichtigkeit an, mit der das Stück arbeitet. Ist die Normalität verrückt oder ist das Verrückte normal? Manchmal grotesk, aber nie peinlich Der Betrachter steht von Beginn an vor einer enormen geistigen Herausforderung. Vergangenheitsbewältigung und Gegenwartsbezug, These und Antithese: Schonungslos direkt, manchmal sogar schockierend, bietet die literarische Vorlage viele Angriffspunkte, wirft eine Vielzahl von Fragen auf. Die Inszenierung verschloss sich nämlich den Schwierigkeiten des Stückes nicht, ganz im Gegenteil. Der Regie von Stefan Wendt und Elke Meyfarth gelang in vorzüglicher Weise eine Umsetzung, die das Prädikat »Laien« für das Gezeigte wirklich nicht verdient.

Manchmal grotesk war das Spiel - wenn zum Beispiel Kohlköpfe als Symbole der arbeitenden Guillotine über die Bühne rollen -, glitt aber niemals ins Peinliche ab. Diese gewagte Gratwanderung gelang dem Ensemble mit Bravour. Der Direktor der Irrenanstalt (Florian Plock) wurde dramaturgisch zum Anwalt der Zuschauer, betrat aus dem Zuschauerraum heraus die Bühne, um gegebenenfalls gewaltsam in die» Aufführung einzugreifen. Die beiden Ausruferinnen (Valerie Nicolas und Judith Wedel) hoben sich nicht nur durch die farbigen Harlekinkostüme von dem in Schwarz-Weiß gehaltenen Bühnebild und den übrigen Darstellern ab. Hofnarren gleich, die man ob ihres lächerlichen Aussehens und Gehabes ungestraft die Wahrheit sagen lässt, forderten sie das Publikum mit ihren Beiträgen heraus, stellten einen vielleicht nicht immer angenehmen Bezug zur Gegenwart her. Bis schließlich die Kontrolle versagt Denn das Stück von Weiss, 1964 geschrieben, ist heute wieder bzw. noch immer aktuell. Dies zeigt umso deutlicher der Schluss.

Das Stück über die Ermordung Marats gerät aus den Fugen, wird als Podium zur eigenen Standortbestimmung genutzt. Dabei versagt die Kontrolle, und nur mit Gewalt kann die »alte Ordnung« wiederhergestellt werden. Mitten in diese Auseinandersetzung ertönt Louis Armstrongs »lt's a Wonderful World«, die Vision einer heilen Welt. Die Wahrheit jedoch lässt sich nicht unterdrücken, auch nicht, indem man sie niederknüppelt. Verdient nicht nur die Herausforderung, die sich die TAF in der Wahl des Stückes suchte, Hochachtung, so gehören die schauspielerischen Leistungen der Darsteller in eine Kategorie, die so mancher Profi-Inszenierung zur Ehre gereichen könnte.

Mimik und Gestik waren detailliert, fast schon lebensnah, die Figuren der Irren bis in die kleinste Nebenrolle in sich stimmig. Angefangen bei einem überzeugenden Christoph Schwab als Jean-Paul Marat, über Robert Garmeister als zynischer Marquis de Sade und Uwe Ratz als Erotomae Duperret, bis hin zu Julia Effinger als schlafsüchtige Darstellerin der Charlotte Corday oder Götz Hofmann als Jacques Roux - sie alle wirkte glaubwürdig, verblüfften teilweise durch ihre Schauspielkunst. Komponist H.-M. Majewski wohnte Premiere bei Aber auch musikalisch wurde einiges geboten. Die Band, bestehend aus Mario Ferber (Querflöte), Andreas Bunk (Gitarre), Frank Wendeberg (Percussion) und Christian Ferber (Klavier), sorgte zuweilen für den richtigen (Unter-)Ton, bei den vier Sängern, die im Stück symbolisch den Stand der Besitzlosen repräsentierten, stachen Anja Hoffmann und Merle Uertz hervor.

Einer, der es wissen muss, zeigte sich vor der Premiere absolut begeistert. Der mittlerweile 74 jährige Komponist Hans-Martin Majewski hatte es sich nicht nehmen lassen, der Premiere dieser Inszenierung beizuwohnen. »Das Gezeigte war einfach sensationell«, erklärte er in einer kurzen Ansprache an das Publikum und würdigte damit die Arbeit des Ensembles und der Regie. Die Möglichkeit, sich ein eigenes Urteil über das neue Projekt der TAF zu bilden, sollte man sich keinesfalls nehmen lassen. Allerdings darf man sich nicht auf einen unterhaltsamen Theaterabend einstellen. Was hier geboten wird, geht dem Zuhörer und Zuschauer nahe - und klingt in ihm nach.

Armin Schuster, Wetterauer Zeitung, Oktober 1994

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