
"Theater Alte Feuerwache" gastierte im "Ulenspiegel"
Verwirrte Besucher vor dem Elefantenklo
GIESSEN. Ironische, kritische und freche Kleinkunst boomt allerorten, und so nistete sich auch im "Ulenspiegel" ein Trupp junger Leute ein, die Fragen der Zeit auf den Punkt zu bringen. "Ist Ihnen das auch schon mal passiert?" hieß die nicht ganz ernstgemeinte Frage, die das "Theater alte Feuerwache" stellte.
"Ein satirisches Programm" hieß das Motto, und unter der Leitung von Texter und Regisseur
Eckart Winkler hinterließen Carolin Cuntz, Michael Grass, Christian Neumeyer, Hendrik
Schaupp, Saba Tewelde, Aldona Watolla und nicht zuletzt Winkler als Moderator einen unterhaltsamen Eindruck. Die nicht professionelle Truppe im Alter zwischen spät
em Schüler- und frühem Studentendasein verzichtete auf die Bearbeitung ganz aktueller politischer Themen und widmete sich überwiegend dem Modern-Zeitlosen: ein Tamagotchi als Haustierersatz und ein Heim für Tamagotchis fürs ruhige Gewissen im Urlaub
(eine gekonnt geklaute Idee), Betrug mit verdorbenen Waren im Supermarkt, traditionelle Geschlechterrollen und natürlich die TV-Karikaturen waren die Grundstoffe des spaßigen Programms. Dabei fielen die Darsteller durch gute Typenzeichnung und große
Spielfreude grundsätzlich angenehm auf.
Gut gelungen war der regionale Bezug: in einer "Podiumsdiskussion" beschlossen Vertreter politischer Gruppen doch glatt, die Südanlage in Gießen ganz wegfallen zu lassen und demonstrierten so gegen Weltfremdheit und sachfremde Interessen bei solchen Entscheidungen. Originell war auch die Geschichte über die Besucher von außerhalb, die vom Elefantenklo verwirrt werden. Witzige Situationskomödie gelang den Gästen in ihrer Nummer über die Rechtschreibreform, und auch die Satire auf das TV-"Herzblatt" ließ besonders die jungen Darstellerinnen in gutem Licht erscheinen. Angenehm war insgesamt die erfrischende und gleichzeitig humorvolle Art, wie für Frauen Stellung bezogen wurde, ohne Kritik außen vor zu lassen. Die Dialoge Winklers könnten zuweilen noch eine Portion Schärfe vertragen. Dem Publikum war's dennoch ein Vergnügen.
Heiner Schultz, Gießener Anzeiger, 23.März 1998
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