


Zusatzaufführungen

7. - 9. Mai 2010

Premiere: 19. Juni 2010
Schwester Rose
Premiere: 04. Dezember 2010
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Premiere: 2011
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Höllenfeuer auf Erden
TAF-Premiere: "Tarelkins Tod" als grelle Satire
BAD NAUHEIM. Die Hölle ist auf Erden. Hellrote Kulissen mit einer Collage
zerfetzter Paragraphen zeigen dem Publikum im Kurtheater gleich überdeutlich,
wo das Höllenfeuer brennt: In der Justiz mit ihrem unmenschlichen
Beamtenapparat. Nebel wallt über die Bühne als Staatsrat Tarelkin (Stefan
Wendt) mit seiner unwilligen Köchin Mavrusa (Carolin Cuntz) ein echt russisches
Freudentänzchen vollführt. Der abgewirtschaftete Beamte mit der wirren
Perücke will zur Lösung all seiner Lebensprobleme seinen Tod inszenieren.
Außerdem möchte er mit belastenden Papieren seine Gegenspielerin, Frau General
Vavarin (Valérie Nicolas mit roten Teufelshörnern) erpressen, um seine
Finanzen zu sanieren. »Tarelkins Tod oder der Vampir von St. Petersburg« des
russischen Dramatikers Aleksandr Suchovo-Kobylin (1817-1903) ist das aktuelle
Stück des Amateurtheaters Alte Feuerwache (TAF). Es ist eine überspitzte
Zustandsbeschreibung voll scharfer Gesellschafts- und Staatskritik, mit durchaus
zeitlosen Zügen. Die Premiere der selten gespielten Farce am Sonntagabend wurde
nach den erfolgreichen Inszenierungen der jungen Truppe in den vergangenen
Jahren mit Spannung erwartet. Mit ,,Tarelkins od« (geschrieben 1857-69, wegen
der Zensur im Zarenreich aber erst 1900 uraufgeführt), in der Übersetzung von
Hans-Magnus Enzensberger, hat das gut eingestimmte Ensemble zweifellos ein
Bühnenstück von Weltrang ausgewählt; der Autor benutzt grelle, heterogene
Stilmittel und eine rhetorisch figurierte Sprache, mit der er virtuos jongliert.
Dies macht die schwierige, tragikomische Groteske ausgesprochen bühnenwirksam
und modern. Allerdings hatte die sehenswerte, dreistündige TAF-Inszenierung
unter der Regie von Christina Karliczek, Valérie Nicolas und Michael Zgodzay
einig
Längen am Ende des zweiten und zu Beginn des dritten Akts. Das Ensemble hat
zwar in seiner Interpretation die satirische Richtung eingeschlagen, um
pathetischer Schwere zu entgehen. Dieser sicher lobenswerte Ansatz reichte
jedoch nicht ganz aus, um eine durchgängig spannende Darbietung zu
präsentieren. Zwar hat die Truppe nicht mit originellen, plakativen sowie
sinnfälligen Stilmitteln und Andeutungen in ihrer Aufführung gespart
(Farbsymbolik in Schwarz-Rot auch in den Kostümen/Tarelkin gefangen im
Aktenordner, gefesselt von einem Spinnennetz/Beamte mit übergroßen
Kassenbrillen lassen Assoziationen an das sozialistische Regime aufkommen). Aber
einige Szenen mussten hauptsächlich von den Schauspielerinnen und Schauspielern
getragen werden, was dem Ensemble nicht durchgängig gelang. Vor allem Viola
Muscolo als Polizei-Inspektorin Raspljuev hatte schwer an ihrer Rolle zu tragen.
Sie trat die Flucht nach vorne an und agierte ihre Figur sehr energiegeladen als
hektisches Nervenbündel aus. Hier wäre weniger oft mehr gewes6n wäre. Stefan
Wendt zog als charakterloser Staatsrat 4. Klasse, und als Staatsrat 3. Klasse
fast alle Register des korrupten, boshaften aber lächerlichen Beamtentypus:
Enorm temporeich und mephistohaft wirbelte er zwei Stunden über die Bühne. Ein
Höhepunkt seines Auftritts war die köstlich dargebotene Grabrede an seinem
Sarg. Valérie Nicolas konnte dazu als Generalin Varavin - trotz ihrer eher
statischen Rolle als eiskalter Intrigantin - vital das schauspielerische
Gegengewicht setzen
Bärbel Kaapke, Rundschau 17.06.1997
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