Theater Alte Feuerwache e. V.

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Wetterauer Zeitung

Das Gute, das Böse und das Hässliche

 

TAF-Produktion verbucht mit neuem Stück wieder großen Erfolg im Kurtheater Bad Nauheim.

Für das Theater Alte Feuerwache war die neueste Produktion ein riskantes Unternehmen. Nicht nur, dass die finanzielle Seite stimmen musste, diesmal konnte man sich auch auf keine großen Namen verlassen. Konnten vorher die Stücke von Bertolt Brecht, Peter Weiss oder auch Friedrich Schiller allein mit ihrem Namen Interesse wecken, ist »Tarelkins Tod oder Der Vampir von St. Petersburg« von Aleksandr Suchovo-Kobylin quasi unbekannt. Das Stück, in den Jahren zwischen 1857 und 1869 entstanden und wegen der Zensur mehr oder weniger gar nicht gespielt, entwickelt eine für das 19. Jahrhundert geradezu typische Geschichte:

Der Beamte Tarelkin, grandios umgesetzt von Stefan Wendt, inszeniert seinen eigenen Tod, nachdem Korruption und Schuldenberg unüberschaubar werden. Seine Vorgesetzte Varravin - die Rolle bot Valerie Nicholas nur wenig gestalterische Möglichkeiten - deckt den Schwindel auf und manipuliert zu ihren Gunsten die willfährigen Polizei-Inspektoren Och (Gunnar Bolsinger) und Raspljuev (Viola Muscolo). Aufgemacht als bitter böse Farce mit satirischen Zügen, demaskiert das Stück des 1817 in Moskau geborenen Aristokraten Suchovo-Kobylin den maroden und bankrotten Beamtenapparat im zarischen Machtstaat. An Hand von Machtmissbrauch und Machtpolitik zeigt der 1903 in Frankreich gestorbene Publizist, Jurist und Philosoph, wie der Mensch dem Bösen verfällt.

Die Aktualität des Stückes steht dabei außer Frage: Staatliche Willkür und Staatsräson in einem überspitzten Schauspiel entlarven, die Unverantwortlichkeit und Lenkbarkeit der Naiven spöttisch einklagen und zu guter Letzt, mit zynischem Blick und schwarzem Humor die Boshaftigkeit des einzelnen darstellen. In der Fassung des TAF wird dabei mit turbulenter Rasanz das pessimistische Weltbild in grellen Tönen eingefangen. Die morbide Atmosphäre, dem Vampirmilieu »gothic novels« entlehnt, wird durch Nebelschwaden und Lichteffekte erzeugt. Expressionistische Gebärden und groteske Verzerrungen dienen der Übersteigerung und Offenlegung gesellschaftspolitischer Verfallsprozesse. Maske, Kostüme und Bühnenbild stimmen durch ihre wohlkalkulierte Sparsamkeit und schrille Eleganz auf die Lage der Beamten ein: Gespielt wurde vor einer halbrundförmigen Paragraphenwand gleich einem Tribunal, das die Belange des einzelnen in kafkaesker Manier zerbricht. Am Ende findet sich der nosferatuähnliche Tarelkin in einem überdimensionalen Büro-Ordner wieder; gequetscht und nur von Spinnengeweben gehalten. Dreister Schabernack mit doppeltem Boden.

Die schönsten Szenen und gelungensten Monologe sind jene, in denen sich Tarelkin mit aufschneiderische Beredsamkeit und selbstgefälliger Eigenliebe präsentiert. Geistreich und überzogen gewährt der ansonsten unbekannte Suchovo-Kobylin seinem sympathischen Antihelden den dreisten Schabernack mit doppeltem Boden: Stefan Wendt allein wegen ihm lohnte sich schon der Besuch des Stückes - glänzt als exzessiver Gaukler und eitler Blender; er ist der rhetorisch begabte Zyniker wie der überhebliche Neurotiker. Valérie Nicolas, die zusammen mit Christina Karliczek und Michael Zgodzay das Stück inszeniert hat, spielt die eitle und herrschsüchtige Staatsrätin Varravin, die mit kühler Strenge die Öffentlichkeit nach Belieben manipuliert und machtpolitisch intrigiert. Ihr obliegt es, die Ideale des Gemeinsinnes und sozialen Friedens, der Mitverantwortung und Weitsicht mit berechnender Ironie zu hintertreiben. Gunnar Bolsinger als Wodka-Oberinspektor Och und Viola Muscolo als verfressene Beamtin - ihr Festmahl wird zur witzigen Orgie mit bitterem Beigeschmack - sind jene Sorte von Opportunisten, die nach oben buckeln und nach unten kratzen: willfährig, gierig und zu allen Schandtaten bereit, wenn die Befugnisse und der Lohn stimmen. In weiteren Rollen waren zu sehen: Kristina Karliczek, Aldona Watolla, Michael Zgodzay, Catharina Schmidt, Remi Lenz und Lutz Bolsinger.

Das Stück in der Inszenierung will aber nicht nur Spaß und Unterhaltung. Die Eingearbeiteten Gags dienen genauso wie die burlesken Zwischenspiele immer nur der Farce. Zwischen dem vermeintlich Guten und allgemeinen Bösen schillert aber immer das menschlich Hässliche hervor. Das Stück ist, obwohl wenig gespielt und nicht sehr bekannt, nicht nur seiner Zeit verpflichtet - und TAF zeigt immer wieder mit ge1ungenep Anspielungen die Notwendigkeit des Stückes. Der freizügige, hier originelle, dort phantasievolle Umgang mit dem Stück ist TAF genauso eigen wie die hemmungslose Komik und die Spielfreude der Akteure, die zu begeistern wissen und denen man noch manche erfolgreiche Aufführung wünscht.

Hagen Kreische, Wetterauer Zeitung, 18.06.1997

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