Das Theater Alte Feuerwache belebt in seinem Musical "Cowboys
& Clowns" die alte Geschichte um eine tragische Liebe VON
BRUNO RIEB
Bad Nauheim · 16. Mai · Wer's ganz spannend mag, der sollte
sich in die erste Reihe setzen. Er ist dann hautnah bei der Schlägerei
der rivalisierenden Jugendbanden "Schneiders" und "Engel"
dabei. Das Ensemble des Theaters Alte Feuerwache spielt die Klopperei
so realistisch, dass der Zuschauer den Kopf einzieht und feuchte
Hände garantiert sind. So mancher "Tatort" wirkt dagegen
steif wie eine Oper. Die Szene zeigt die Leidenschaft, mit der die
Akteure des TAF in ihrem neuen Stück "Cowboys & Clowns"
zu Werke gehen.
Die Geschichte ist rasch erzählt. Sie ist seit Shakespeare in
ungezählten Varianten über die Bühnen gegangen, die tragische Geschichte
vom Liebespaar aus verfeindeten Familien. Das TAF-Regie-Duo Viola
Muscolo und Pia Nußbaum hat die Story ins Milieu krimineller Jugendbanden
verlegt. Auch diese Idee ist nicht neu. Der Ex-Schneider Marlon
(Philipp Höck) liebt Elisabeth (Hanna Binder), aber die ist die
Schwester des Engel-Anführers Gabriel (Sinan Sert). Es kommt zum
Streit, die Banden treten zum entscheidenden Kampf an. Marlon wird
zum Mörder an Elisabeths Bruder. Elisabeth verzeiht Marlon, aber
Gabriels Freundin Roxane (Silke Börstler) übt Rache. Kein glückliches
Ende.
"Cowboys & Clowns" ist ein Musical. Es zieht seine
Stärke aus den Hits aus 30 Jahren Musikgeschichte, die in die Handlung
eingewoben sind. Schon der Titel stammt aus einem Pop-Song. In dem
Lied "Goodnight Elizabeth" der Band Counting Crows heißt
es übersetzt: "Wir konnten nicht alle Cowboys sein / So sind
manche von uns Clowns". Die TAF-Crew bringt die Songs von David
Bowie ("Heroes"), Shirley Bassey ("History Repeating"),
Tracy Chapman ("Behind the wall), Madonna ("Live to hell")
oder Kris Kristofferson ("Help me make ist through the night")
mitreißend auf die Bühne. Anrührend sind die Duette von Elisabeth
und Marlon. Die Story wird zur kurzweiligen Brücke von Song zu Song.Die
Musik aus "Cowboys &Clowns" wird es demnächst auf
CD geben.
Erstaunlich, welche Aktion sich auf einer kleinen Bühne von vielleicht
neun mal drei Meter durch geschickten Aufbau und mindestens eben
so geschickte Choreographie entfalten lässt. Das Ensemble zählt
immerhin 20 Leute und alle singen und tanzen immer mal wieder zugleich
auf der Bühne.
Am stärksten ist die Geschichte um die tragische Liebe in den
verfeindeten Jugendbanden immer dann, wenn Ironie durchschimmert.
Etwa als die Banden zum Kampf antreten, Marlon einen "fairen
Kampf" wünscht und einer fragt: "Sollen wir jetzt die
Nationalhymnen singen?" Wenn der Pate des Viertels Vincent
Kayser (Stefan Wendt) im Streifenanzug auftritt, bekommt das Stück
etwas Dreigroschenoperhaftes. "Cowobys & Clowns" ist
kurzweilige Unterhaltung, die trotz tragischen Stoffes nichts Schwermütiges
hat. Es sind zweieinhalb Stunden vergnügliche Unterhaltung in der
einzigartigen Atmosphäre des TAF-Domizils in der Trinkkuranlage.
Die zwölf Euro Eintritt sind gut angelegt.
Mit einem kultverdächtigen Werbespot dankt das TAF-Team zu Beginn
der Vorstellung ihrem Sponsor "Buchhandlung am Park".
Die Gang-Chefs überfallen die Buchhandlung, nehmen den Buchhändler
als Geisel - und wollen doch nur das Buch "Die kleine Raupe
Nimmersatt". Alleine dieser Spot ist den Eintritt wert.
"Cowboys & Clowns" ist bis Oktober im TAF im Badehaus
2 des Bad Nauheimer Sprudelhofes zu sehen. Die nächsten Vorstellungen
sind Mittwoch, 19. Mai, und Freitag, 21. Mai, um 20 Uhr. Weitere
Vorstellungen sind samstags und sonntags um 19.30 Uhr. Eintritt:
zwölf Euro, ermäßigt acht Euro. Vorverkauf: Buchhandlung am Park,
Parkstraße 20.
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Rundschau online 2004 Dokument erstellt am 17.05.2004 um 00:10:39
Uhr Erscheinungsdatum 17.05.2004 | Ausgabe: R23 | Seite: 38
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