
Dramatik an unüblicher Stelle
Bad Nauheims Badehaus 2
In Scheunen und Mühlen, unter Kuppeln und in Kellergewölben
blüht die Kultur - Kultur für alle, wie Hilmar Hoffmann einst Frankfurter
Kulturdezernent, formulierte. Eine Vielzahl von Einrichtungen, of mit privatem
Engagement, schmückt Städte und Gemeinden, gibt der Rhein-Main Region
künstlerische Vielfalt. Die FR stell in lockerer Folge derartige Stätten vor.
BAD NAUHEIM. „Ausverkauft, ausverkauft!" Kaum eine
Vorstellung in Bad Nauheims Badehaus 2, für die es nicht schon Tage vorher
keine Karten mehr gibt. De Grund mag zum einen am ungewöhnlichen Spielort
liegen. Theater und Kleinkunst in einem ehemaligen Badehaus das ist schon etwas
Besonders. Zum anderen natürlich, und das ist weit über die Region hinaus
bekannt, liegt es an der Theatergruppe und dem ausgewählten Kleinkunst- und
Musikprogramm, das in Zusammenarbeit mit dem städtischen Kulturamt das Angebot
umfasst. Das Theater Alte Feuerwache (TAF ) schreibt mittlerweile Geschichte.
Seit gut zehn Jahren lebt die als Verein eingetragene Gruppe die
Kulturlandschaft mit vielseitigen Produktionen, dargeboten an ungewöhnlichen
Spielorten (Schwimmbad, Gefängnis Weiher), zu denen seit Ende 1999 auch da
Jugendstil-Badehaus im Sprudelhof zählt.
Gebadet wurde schon lange nicht mehr in dem vom Hochwasser beschädigten Badehaus
2. Mehr als 25 Jahre lang stand es leer, die Inneneinrichtung verrottete, der
Putz bröckelte von den Wänden. Bis TAF kam. Die engagierten
jungen Leute, größtenteils Schüler und Studenten, renovierten in mehr als
2000 Arbeitsstunden das marode Jugendstildenkmal. Entstanden sind Bühnenraum,
Theaterwerkstatt, Kostümfundus und Café. Die Bühne zählt nicht unbedingt zu
den großen, ist mit vier auf acht Metern aber bestens geeignet für
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Kultur im Badehaus 2:
Die Leute strömen aus der ganzen Region.
(Bild: Harald Herbert) |
hochwertiges Spiel: ernstes Theater, musikalische Bonbons,
szenische Lesungen und Kabarett. 99 Klappstühle [Anmerkung des TAF: Seit
Sommer 2001 gibt es eine neue edle Bestuhlung] bieten dem Publikum von fast
jedem Platz gute Sicht auf das dramatische Geschehen. Im Sommer ist der
wunderschöne Schmuckhof mehr als eine Freilichtbühne: umgeben von verspielter
Architektur kann der Besucher den einstigen Glanz der Kurstadt Bad Nauheim zu
Beginn des 20. Jahrhunderts nachempfinden. Die Wunderwelt des Jugendstils mit
Wandelgängen, Brunnen- und Fabelwesen lassen den Charme der Vergangenheit
lebendig werden.
Vor und nach den Vorstellungen lädt das TAFé, das von den
Vereinsmitgliedern betriebene Café, zum Verweilen ein. Für die, die nicht
stillsitzen mögen: Die Badezellen und das Theatermuseum bieten bei Besichtigung
kurzweilige Unterhaltung.
Termine und Aktivitäten des TAF im Internet unter www. taf-badehaus2.de
Susann Barczikowsk, Frankfurter Rundschau, 31.01.2002
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