Leserbriefe
Dat fuuil Ei an de Pannkooken
Unserem Leser Christian Herrmann - bekannter Buchhändler in
Friedberg - hat man aus Schleswig einen Zeitungsausschnitt zukommen lassen, den
er auch unserer Aufmerksamkeit empfahl, mit Bedacht annehmend, dass die Zeilen
vermutlich unserer Leserinnen und Leser interessieren dürfte. Klar doch, und so
wollen wir Ihnen die kleine Glosse nicht vorenthalten, die in Plattdeutsch in
den »Schleswiger Nachrichten« abgedruckt war und sich auf den
Februar-Terminkalender im »Bad Nauheim Journal« bezieht. Dort hatten wir die
»Veranstaltungen vom 1. bis 30. Februar« aufgeführt, was nun unseren Kollegen
Günter Petersen in der Spalte »Extraplatte« zu folgenden Zeilen inspirierte
(wobei wir hoffen, dass Sie seine »nordische Fremdsprache« verstehen; wenn
nicht, soll's halt ein kleines Wochenendrätsel für Sie sein...)
De blinnen Hessen
Een fuul Ei schänd den ganzen Pannkooken.
Bad Nauheim liggt in de Wetterau. Dat is dor,
wo de blinnen Hessen to Hus sünd. Ober mennigmol süht dat so ut, as harr'n de
blinnen Hessen den beteren Dörchblick.
Scheun in Buntdruck steiht dwars über den
Kurstadt-Kalender to'n Bespeel: »Veranstaltungen vom 1. bis 30. Februar.« is
dat nick all eher en bannige Verunstaltung?
Nee! Dat is wietsichtig. Bad Nauheim is
Badestadt. Wenn de Kurverwaltung den Februar mit 30 Doog stats mit 28 afrecken
deiht, denn kann se ok för twee Doog mehr jehr Kurtaxe inkasseer'n.
De Kur- un Badestadt is ok Quellenstadt. Dat
sprudelt dor man so. Weeßt doch: An der Quelle saß der Knabe. Un kloor Woter
in de Oogen gifft jo ok jümmers en klooren Blick.
Da Christian Herrmann sich hier zu Lande bestens auskennt, hat
er zur Glosse auch noch ein paar treffende Anmerkungen parat:
Ein bis zwei Tage mehr im Monat sind dort schon eine Glosse
wert. Was hätte man schreiben können, wenn man gewusst hätte, dass der
Kulturdezernent der Stadt eine seit über 10 Jahren erfolgreiche
Kleinkunst-Reihe nicht mehr subventionieren will; dass man den Darstellern des
TAF, die das Badehaus 2 in mühevoller Kleinarbeit restauriert und bespielbar
gemacht haben, den Boden unter den Füßen wegzieht?
Und das unter dem Aspekt, dass der Saal der Landesärztekammer für die
Sinfonie-Konzerte nicht mehr zur Verfügung stehen wird, da man ihn abreißt;
dass es fraglich ist, ob der Spiegelsaal des Kurhauses unter neuem Pächter
weiterhin für die erfolgreichen Kammerkonzerte genutzt werden kann; dass das
einzige Kino der Stadt aus wirtschaftlichen Gründen schließen muss!
Wo bleibt da die Kultur in Bad Nauheim? Das Resümee der Glosse hat Bestand: »Een
fuul Ei schänd den ganzen Pannkooken«.
Wetterauer Zeitung, 13.04.2002
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