
Badehaus 2 soll als Kulturzentrum ausgebaut werden
Warum Bürgermeister Bernd Rohde private und kommunale Initiativen
stärker bündeln will / Hilfe für Kino zugesagt [Anmerkung d.
Redaktion: Das Interview wurde schriftlich geführt]
Mit einem breiten städtischen Kulturangebot hat sich Bad Nauheim
ein eigenes Profil gegeben: Theater, Musik, Kleinkunst und Kunstausstellungen
werden auch im Umland wahrgenommen und positiv bewertet. Dennoch hat die Stadt
das Angebot in den vergangenen beiden Jahren bereits drastisch gekürzt: Die Ausstellungen im Alten Rathaus und der Neuen Galerie in
der Trinkkuranlage wurden auf maximal drei im Jahr reduziert, die Reihe Jazz im
Badehaus 2 komplett gestrichen. Nun steht auch die Kleinkunstreihe im Sprudelhof
zur Diskussion. FR-Journalistin Susann Barczikowski sprach mit Kulturdezernent
Bernd Rohde (CDU) über die Zukunft der Kultur in der Kurstadt.
Frankfurter Rundschau (FR): Herr Bürgermeister, für die
kommende Spielsaison haben Sie drastische Kürzungen bei den Theaterprojekten
angekündigt, die vor allem die Kleinkunstveranstaltungen im Badehaus 2, der
Spielstätte des TAF, betreffen. Warum verzichtet die Stadt auf das Bewährte
und setzt das gewonnene eigene Profil einer profitablen Arbeit aufs Spiel? Und
warum wollen Sie künftig lieber private Veranstalter wie den
"Überflieger" und dessen Kulturprogramm unterstützen?
Bernd Rohde: Es trifft nicht zu, dass ich drastische Kürzungen bei
den Theaterprojekten angekündigt habe. Meine Äußerungen bezogen sich in
keiner Weise auf Theaterveranstaltungen. Kindertheater sowie die Veranstaltungen
des TAF werden auch in Zukunft in vollem Umfange unterstützt. Was die
Kleinkunstveranstaltungen angeht, stellt sich die Situation wie folgt dar:
Einerseits gibt es seit längerer Zeit im Badehaus 2 eine Kleinkunstreihe mit
zehn Doppelveranstaltungen in kommunaler Regie. Andererseits werden seit einigen
Jahren Veranstaltungen im "Überflieger" in privater Regie
durchgeführt. Es ist mehr als legitim, darüber nachzudenken, beide
Aktivitäten zusammenzuführen und zu bündeln, um eine größere Effizienz und
noch höhere Qualität zu erreichen. Des weiteren: Kommunale Kulturarbeit
unterliegt dem Subsidiaritätsprinzip. Wird ein unstreitig hohes Kulturangebot
auf privater Ebene angeboten, ist es wenig sinnvoll, Parallelveranstaltungen
durchzuführen. Sinn macht eine entsprechende Bündelung, die eben gerade nicht
"ersatzlose Aufgabe" beinhaltet.
FR: Werden Sie Musikkneipen wie Teichhaus oder Green Island,
die ebenfalls seit Jahren mit Musikveranstaltungen das kulturelle Angebot der
Stadt bereichern, ebenfalls finanziell unter die Arme greifen?
Bernd Rohde: Ohne die Verdienste der Musikkneipen schmälern zu
wollen, sehe ich einen Unterschied zu den Kleinkunstaktivitäten mit national
renommierten Künstlern und den genannten Musikkneipen.
FR: Mit welcher städtischen Unterstützung darf das Theater Alte
Feuerwache rechnen, wenn der Gruppe überlebenswichtige Einnahmen als
Dienstleister bei der städtischen Kleinkunstreihe wegfallen?
Bernd Rohde: In sehr intensiven Gesprächen und von mir gestellten
Fragen gegenüber den Vertretern des TAF ist mir von eben diesen eindeutig
dargelegt worden, dass für das TAF die Gastronomieeinnahmen bei den derzeitigen
kommunalen Kleinkunstveranstaltungen im Badehaus 2 keine entscheidende Rolle
spielen, geschweige denn, dass diese überlebenswichtig seien. Vielmehr wurden
seitens des TAF Bedenken deswegen erhoben, weil man befürchte, dass durch die
Verlagerung der Kleinkunstaktivitäten in den "Überflieger" die
Bedeutung des Badehauses 2 als Kulturzentrum geschmälert werde. Daneben habe
man keineswegs die Befürchtung, dass durch die Zusammenführung der
Kleinkunstaktivitäten der Besucherzustrom zu den TAF-Veranstaltungen geringer
werden könne. Um die Bedeutung des Badehauses 2 als Kulturzentrum noch stärker
als bisher herauszustreichen, wird derzeit gemeinsam überlegt, andere
kulturelle Veranstaltungen zusätzlich in das Badehaus 2 zu verlagern. Unter
verschiedensten Gesichtspunkten ist ein deutlicher Bedarf für zusätzliche
Veranstaltungen im Badehaus 2 gegeben. Der Verkauf des Parkhotels an die
Dolce-Gruppe wird sich auch auf das Kurhaus und -theater auswirken. Die Stadt
ist dort ebenfalls mit einer Reihe von Veranstaltungen - Kammerkonzerte,
Philosophische Reihe - vertreten. Der Stadt bricht damit ein großer Spielort
weg.
FR: Welche größeren Veranstaltungsorte wird es künftig für
städtische Reihen geben? Oder wird das städtische Angebot auch unter neuer
Leitung dort fortgesetzt?
Bernd Rohde: Die Gespräche, die wir mit der neuen Leitung des
Parkhotels/Kurhauses geführt haben, ergaben, dass die Dolce-Gruppe ein durchaus
großes Interesse hat, dass weiterhin soweit wie möglich kulturelle
Aktivitäten im Kurtheater sowie in den übrigen Räumen des Kurhauses
stattfinden können. Darüber hinaus finden auch weitere Überlegungen statt,
zusätzliche Räumlichkeiten für kulturelle Veranstaltungen der Stadt und
Dritter zu aktivieren.
FR: Wird das Kulturangebot der Stadt in Zukunft noch
dürftiger?
Bernd Rohde: Das derzeitige kulturelle Angebot der Stadt als dürftig
zu bezeichnen, geht - wenn man sich in unserer Region umschaut - völlig an der
Sache vorbei. Mein Bestreben als Kulturdezernent ist es im Gegenteil, das
kulturelle Angebot der Stadt Bad Nauheim zu erweitern und noch deutlich
lebendiger zu gestalten. Die Stadt hat im vergangenen Jahr mit der Musikschule
Bad Nauheim und mit Gerhard Burk, dem Betreiber des Skulpturenparks, mit dem
Projekt Musik und Kunst in der Stadt einen neuen Weg beschritten. Bisher sahen
die finanziellen Zuwendungen für Initiativen wie diese allerdings dürftig aus.
FR: Werden Sie diese Zusammenarbeit weiterhin fördern?
Bernd Rohde: Sowohl die Bad Nauheimer Musikschule als auch der Bad
Nauheimer Skulpturenpark gehören zu den wichtigsten kulturellen Institutionen
der Stadt Bad Nauheim. Dies habe ich seit Beginn der Übernahme des
Kulturdezernats mehr als deutlich gemacht und dafür gesorgt, dass die
finanzielle Förderung für beide Einrichtungen erheblich erhöht wurde.
FR: Wie stehen Sie als Kulturdezernent dem Vorschlag von Dieter
Heyde gegenüber, auf dem Gelände des ehemaligen Parkhotels, der jetzigen
Grabungsstätte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen, ein Keltenmuseum zu
errichten? Was tun Sie dafür, dass diese Pläne nicht in Schubladen
verschwinden?
Bernd Rohde: Die Pläne, auf dem Gelände des ehemaligen Hilberts
Parkhotel ein Keltenmuseum zu errichten, können aus einem sehr einfachen Grund
nicht unterstützt werden. In absehbarer Zeit wird mit Förderung des Landes
Hessen in Glauberg ein Keltenmuseum entstehen. Es dürfte jedem einleuchten,
dass eine Duplizität in nahezu unmittelbarer Nachbarschaft keine
Realisierungschance hat.
FR: Dem Bad Nauheimer Kino Fantasia droht möglicherweise das
Aus. Auch hier ist die Stadt neben privaten Initiativen mit dem Mittwochsfilm
vertreten. Sie haben sich in der Öffentlichkeit für ein Filmtheater in Bad
Nauheim stark gemacht. Was wird die Stadt tun, damit das einzige Lichtspielhaus
künftig erhalten bleibt?
Bernd Rohde: Ich habe zwischenzeitlich mit den Betreibern des Kinos
ein Gespräch geführt. Aus verschiedenen Gründen wirft der Betrieb des Kinos
am jetzigen Standort Probleme auf. Zurzeit lasse ich prüfen, ob und
gegebenenfalls welche Hilfestellungen möglich sind, um zu erreichen, dass Bad
Nauheim weiterhin Kinostandort bleibt.
Copyright © Frankfurter Rundschau, 25.04.2002
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