
Kleinkunst bleibt im Badehaus 2
Stadtparlament pfeift Bürgermeister
Rohde (CDU) zurück
Die massiven parlamentarischen und
außerparlamentarischen Proteste hatten Erfolg. Die Kleinkunstreihe des Bad
Nauheimer Kulturamts wird in der bisherigen Form fortgesetzt - im Badehaus 2 des
Sprudelhofs. Das beschloss das Stadtparlament am späten Dienstagabend mit großer
Mehrheit.
BAD NAUHEIM. "Rettet die Kleinkunstreihe" -
unter diesem Motto hatten Bad Nauheimer Kulturfreunde mobil gemacht und
Unterschriften gesammelt. Am Dienstag übergaben sie Bürgermeister und
Kulturdezernent Bernd Rohde (CDU) vor der Parlamentssitzung im
Feuerwehrstützpunkt eine Liste mit 1400 Namen.
Rohde hatte im Februar völlig überraschend
das Aus der beliebten Reihe im Badehaus 2 verkündet. Kommunale Kleinkunst, so
der Rathauschef damals in einer Pressekonferenz, solle künftig in der Brasserie
"Überflieger" in der Trinkkuranlage angeboten werden.
Rohdes Alleingang wurde am Dienstag vom
Stadtparlament gestoppt. Die SPD hatte beantragt, das städtische
Kleinkunstprogramm auch 2003 wie bisher unter Beteiligung des Vereins Theater
Alte Feuerwache (TAF) fortzuführen. SPD, UWG, FDP und Grüne verschafften diesem
Begehren eine breite Mehrheit. Tenor: Man müsse dem TAF, das einen großen
Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt leiste, beistehen und ihm
Planungssicherheit geben.
Rückendeckung bekam Rohde lediglich von
einem CDU-Stadtverordneten. Die anderen Unionisten enthielten sich der Stimme.
Es gelte, die "etablierte Kleinkunstreihe"
im "Überflieger" zu unterstützen, begründete Rohde seinen Vorstoß, der seinen
Kritikern vorwarf, mit falschen Argumenten Stimmung zu machen. Rohde: "Es wird
dem TAF kein Schaden zugefügt, denn die Kleinkunstreihe wird von der Stadt
veranstaltet." Wenn permanent kommerzielle Veranstaltungen gleicher Art im
"Badehaus 2" angeboten würden, sei der "Überflieger" gefährdet. Ihm gehe es
darum, Kräfte zu bündeln.
Rohdes Kritiker warfen ihm dagegen
Konzeptlosigkeit vor. Völlig ohne Not habe der 63-Jährige diese Diskussion vom
Zaun gebrochen, statt schlüssige Konzepte zur künftigen Kulturarbeit zur Debatte
zu stellen.
Einig sah sich der Rathauschef mit
Kurdirektor Rainer Brill, der Vermieter sowohl des Badehauses als auch des
"Überflieger" ist. Im Gespräch mit der FR äußerte sich Brill zu der
brisanten kulturpolitischen Diskussion. Als Vermieter habe er Verantwortung für
beide Einrichtungen, betonte Brill. Allerdings sehe er durch die gegenwärtige
Entwicklung die "Waffengleichheit" gefährdet.
Um dem weithin anerkannten TAF eine neue
Spielstätte zu gewährleisten, habe man seinerzeit dem Verein günstige
Mietkonditionen gewährt. Die kommunale Kleinkunstreihe habe damals im
Gesamtkonzept nur eine "untergeordnete Rolle" gespielt, betont der Kurdirektor.
Das TAF habe die Geschäftsgrundlage aber längst verlassen. Brill sieht nicht
ein, weiterhin eine Spielstätte zu subventionieren, die dadurch einem anderen
Veranstalter zur ernsthaften Konkurrenz erwächst.
Allerdings zeigt sich der Geschäftsführer
des Staatsbades kompromissbereit. Er könne sich vorstellen, dass die
Kleinkunstreihe im bisherigen Umfang fortgesetzt wird, lässt Brill durchblicken.
Eine Expansion, wie vom TAF gewünscht, könne er aber nicht akzeptieren.
Trotz des Theaterdonners der vergangenen
Wochen setzen sich alle Beteiligten am 16. Mai zu einem Gespräch zusammen.
Brill: "Ich hoffe, dass es dann eine vernünftige Lösung gibt." Rohde kündigte
an, im September ein Konzept zur künftigen Kulturarbeit in Bad Nauheim
vorzulegen. An ihm sollen namhafte Fachleute mitwirken. tob
Copyright © Frankfurter Rundschau, 10.05.2002
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