
Gummihuhn und Lederhose
"Duo Doppelpack" zeigte im Bad Nauheimer
Sprudelhof seine Show "Kreuz und Quer" Von Anke Springer
Das "Duo Doppelpack" hat seine
künstlerischen Wurzeln in Bad Nauheim. Am Samstag traten die Comedy-Musiker auf
Einladung des Kulturamtes erstmals öffentlich im Badehaus 2 im Sprudelhof
auf.
BAD NAUHEIM. Wie er da so auf der Bühne im
Badehaus 2 steht und singt, erinnert der Dunkelblonde entfernt an den
Österreicher Rainhard Fendrich. Ein bisschen Charmeur, ein bisschen Schlitzohr
in einem: Breitbeinig schwärmt er von seiner Freundin Lisa, von Erika, Marie und
ach wer weiß wie sie noch alle hießen. Den Rhythmus geben dabei vor allem die
Leisten in der schwarzen Lederhose vor. Klingt da nicht schon jemand wieder
leise das Lied "Macho, Macho" in den Ohren?
"Doppelpack" will es anders. Unter diesem
Namen präsentieren Matthias Flohr und der singhalesische Pianist Shanaka Perera
ihr Programm "Kreuz und Quer", das etwas eigentümlich als Musikkabarett und
Comedy apostrophiert ist. Der Titel hält, was er verspricht. Es beginnt mit
einer Lektion in Sachen Sport, Matthias Flohr macht Streckübungen. Seine "kleine
gemeinsame Fitnessstunde" mit dem Publikum wirkt noch etwas ungelenk. Der Dialog
mit Baseballkappe und Handtuch auf den Schultern ist die Aufwärmübung eines
Duos, das noch nicht sehr lange im Geschäft ist. Ihre Internetseite zeichnet
sich bisher allein durch ein Baustellenschild aus.
Matthias Flohr, ein gebürtiger Franke aus
Frankfurt, war bislang in der Unterhaltungsmusik tätig, bevor er sich mit dem
Pianisten zusammentat, der kürzlich von Bad Nauheim in den Butzbacher Ortsteil
Nieder-Weisel umgezogen ist. Immer wieder greift der Frontmann zwischen Gesang
und Moderation zu Posaune, Trompete und was sonst noch alles für einen
Musikkabarettisten unverzichtbar ist: ein Sofa, ein Schneebesen, eine
Küchenreibe, ein Bembel, eine Flasche, eine Computertastatur. Richtig gut wird
es, als er sich ein gerupftes Huhn unter den Arm klemmt und mit "Talk, talk" des
Deutschen liebstes Nachmittagsprogramm glossiert. Mit dem nackten Gummiviech
läuft er durch die Zuschauerreihen wie einst Gottlieb Wendehals mit seiner
Aktentasche bis nach Blankenese. Ja, da kommt Freude auf.
Wo wir schon beim Faschingsprogramm sind,
streut Matthias Flohr auch ein paar Zoten mit ein. "Pay TV ist wie beim
horizontalen Gewerbe, bei jedem Schuss muss man zahlen", sagt er und gibt einen
einfach strukturierten Beckenbauer mit Fanschal und Baseballkappe. Wo der Franz
auftaucht, muss auch ein Witz über die Liebschaft mit seiner Sekretärin her.
Boris Becker lässt sich für Matthias Flohr noch einmal in der Besenkammer den
Samen rauben. Die Liebe geht schon viele seltsam verschlungene Pfade. Am besten
klingt das, als Matthias Flohr der Frau seines Herzens mit einem Messer die
Liebe erklärt. Die schiefe Gummiklinge in der Rechten, ein Mikro in der Linken:
So sieht es aus, wenn ein Metzger vom Hüftspeck seiner Liebsten schwärmt.
"Merci, du bist zum Beißen."
Das macht Appetit auf mehr. Beispielsweise
den ungestümen Mathematiker: "Du bist die Wurzel, die ich zieh', damit meine
Gleichung aufgeht", singt Matthias Flohr und leiht mal eben bei Caterina Valente
die Melodie von "Quando, quando, quando". Einmal in der Schlagerecke drin, ist
er da nicht mehr so schnell wieder rauszubekommen. Der Mann mit dem Mikro
intoniert "Irgendwann bleib' I dann dort" von der österreichischen Band
STS.
Nach einer Zugabe ist er wieder
gegangen.
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Frankfurter Rundschau 2002 Dokument erstellt am 16.07.2002 um 00:00:58
Uhr Erscheinungsdatum 16.07.2002
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