


Zusatzaufführungen

7. - 9. Mai 2010

Premiere: 19. Juni 2010
Schwester Rose
Premiere: 04. Dezember 2010
Die heilige Johanna der Schlachthöfe
Premiere: 2011
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Nur Verlierer
"Gefährliche Liebschaften"
Von Regine Seipel
BAD NAUHEIM. Ein perfides Spiel um Intrige
und Verführung im historischen Ambiente eines Jugendstildenkmals: Für seine neue
Inszenierung hat sich das Theater Alte Feuerwache in Bad Nauheim mit
Gefährliche Liebschaften den passenden Stoff zur reizvollen Spielstätte
im ehemaligen Badehaus der Sprudelhofanlage ausgesucht. Trotzdem setzt die
ambitionierte Amateurgruppe nicht allein auf Opulenz, zu der die
Rokoko-Atmosphäre verleiten könnte. Mit einem modernen sparsamen Bühnenbild,
Brecht-Gedichten und coolem Jazz zwischen den Szenen stellen die Regisseurinnen
Pia Nußbaum und Viola Muscolo aktuelle Bezüge her und schaffen damit einen
eigenen Charakter für ihr Stück.
Das ist auch wichtig, denn das frivole
Ränkespiel des Vicomte de Valmont und der Marquise de Merteuil hat große
Vorbilder. Es basiert auf einem Briefroman, den der französische Offizier und
Schriftsteller Choderlos de Laclos im Jahr 1782 anonym veröffentlichte. Damals
provozierte er einen Skandal, weil er die Dekadenz der Aristokratie kurz vor
Ausbruch der Französischen Revolution treffend erfasste. 1985 schrieb
Christopher Hampton den Stoff in ein erfolgreiches Theaterstück um. Er wurde
mehrmals verfilmt, am publikumswirksamsten von Stephen Frears in einem vielfach
preisgekrönten Film mit Glenn Close und John Malkovich, gegen den die Bad
Nauheimer Mimen nun anspielen müssen.
Das stellt die jungen Amateure vor eine
anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere bei den zahlreichen erotischen Szenen, die
leicht die Gefahr der Peinlichkeit bergen. Die Regisseurinnen waren sich dieser
Schwierigkeit durchaus bewusst: "So lange haben wir noch kein Stück geprobt",
sagt Pia Nussbaum, "wir mussten jeden Gesichtsausdruck, jeden Satz
auseinandernehmen." Der Aufwand, so lässt sich zumindest bei einem Probenbesuch
erkennen, hat sich gelohnt. Mit ausgefeilter Mimik und manchmal nur mit einen
Hauch von Berührung, agieren die Personen zwischen Sitzmöbeln, die ebenso wie
die Figuren in dem durchtriebenen Spiel über die Bühne geschoben werden.
Anzügliche Posen erscheinen wohl dosiert und als Sinnbilder für die Lust an
moralischer Verderbtheit eingesetzt.
Politische Bezüge, zur französischen
Revolution etwa, spielen in der Inszenierung keine Rolle. Das Ensemble, das die
Stücke gemeinsam aussucht, faszinierte die emotionale Dichte, die Abgründe
hinter der Fassade und die gebrochenen Charaktere, die Täter und Opfer zugleich
sind. Aus Rache am früheren Geliebten der Marquise soll der Vicomte die
jungfräuliche Braut Cécile und die tugendhafte Madame de Tourvel verführen, als
Lohn winkt eine Nacht mit der Marquise. So ist der sportive Ehrgeiz des
Wüstlings geweckt, doch aus purer Berechnung wird echtes Gefühl, das in dem
Machtkampf der Eitelkeiten auf der Strecke bleiben muss. Am Ende sind nur
Verlierer übrig.
Christian Neumeyer dominiert in der Rolle
des Valmont die knapp dreistündige Handlung. Martina Mischke legt die Marquise
weniger als eiskalte Verbrecherin, denn als von den Umständen ihrer Zeit
verhärtete Überlebenskünstlerin an. Die Opfer vereiteln ebenfalls eindeutige
Parteinahme durch ihre Einfältigkeit. So zeichnet das Ensemble ein psychologisch
fein ausgearbeitetes Portrait einer Gesellschaft, in der Kälte und Grausamkeit
den Spielregeln enstprechen, solange die offizielle Form gewahrt bleibt.
Gleichzeitig packt es die Zuschauer bei ihren eigenen Schwächen: die kleinen und
großen Boshaftigkeiten dürften sie mit lustvoller Freude goutieren.
• Hanau / Bad Nauheim. Vorpremiere ist
am Samstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr bei den Hanauer Amateurtheatertagen im
Comoedienhaus Wilhelmsbad, die eigentliche Premiere folgt am Samstag, 12.
Oktober, um 19.30 Uhr im Badehaus 2 des Sprudelhofs Bad Nauheim. Bis Februar
2003 gibt es weitere 19 Aufführungen.
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Frankfurter Rundschau 2002 Dokument erstellt am 01.10.2002 um 21:37:19
Uhr Erscheinungsdatum 02.10.2002
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