Theater Alte Feuerwache e. V.

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Nur Verlierer

 

"Gefährliche Liebschaften"
Von Regine Seipel

BAD NAUHEIM. Ein perfides Spiel um Intrige und Verführung im historischen Ambiente eines Jugendstildenkmals: Für seine neue Inszenierung hat sich das Theater Alte Feuerwache in Bad Nauheim mit Gefährliche Liebschaften den passenden Stoff zur reizvollen Spielstätte im ehemaligen Badehaus der Sprudelhofanlage ausgesucht. Trotzdem setzt die ambitionierte Amateurgruppe nicht allein auf Opulenz, zu der die Rokoko-Atmosphäre verleiten könnte. Mit einem modernen sparsamen Bühnenbild, Brecht-Gedichten und coolem Jazz zwischen den Szenen stellen die Regisseurinnen Pia Nußbaum und Viola Muscolo aktuelle Bezüge her und schaffen damit einen eigenen Charakter für ihr Stück.

Das ist auch wichtig, denn das frivole Ränkespiel des Vicomte de Valmont und der Marquise de Merteuil hat große Vorbilder. Es basiert auf einem Briefroman, den der französische Offizier und Schriftsteller Choderlos de Laclos im Jahr 1782 anonym veröffentlichte. Damals provozierte er einen Skandal, weil er die Dekadenz der Aristokratie kurz vor Ausbruch der Französischen Revolution treffend erfasste. 1985 schrieb Christopher Hampton den Stoff in ein erfolgreiches Theaterstück um. Er wurde mehrmals verfilmt, am publikumswirksamsten von Stephen Frears in einem vielfach preisgekrönten Film mit Glenn Close und John Malkovich, gegen den die Bad Nauheimer Mimen nun anspielen müssen.

Das stellt die jungen Amateure vor eine anspruchsvolle Aufgabe, insbesondere bei den zahlreichen erotischen Szenen, die leicht die Gefahr der Peinlichkeit bergen. Die Regisseurinnen waren sich dieser Schwierigkeit durchaus bewusst: "So lange haben wir noch kein Stück geprobt", sagt Pia Nussbaum, "wir mussten jeden Gesichtsausdruck, jeden Satz auseinandernehmen." Der Aufwand, so lässt sich zumindest bei einem Probenbesuch erkennen, hat sich gelohnt. Mit ausgefeilter Mimik und manchmal nur mit einen Hauch von Berührung, agieren die Personen zwischen Sitzmöbeln, die ebenso wie die Figuren in dem durchtriebenen Spiel über die Bühne geschoben werden. Anzügliche Posen erscheinen wohl dosiert und als Sinnbilder für die Lust an moralischer Verderbtheit eingesetzt.

Politische Bezüge, zur französischen Revolution etwa, spielen in der Inszenierung keine Rolle. Das Ensemble, das die Stücke gemeinsam aussucht, faszinierte die emotionale Dichte, die Abgründe hinter der Fassade und die gebrochenen Charaktere, die Täter und Opfer zugleich sind. Aus Rache am früheren Geliebten der Marquise soll der Vicomte die jungfräuliche Braut Cécile und die tugendhafte Madame de Tourvel verführen, als Lohn winkt eine Nacht mit der Marquise. So ist der sportive Ehrgeiz des Wüstlings geweckt, doch aus purer Berechnung wird echtes Gefühl, das in dem Machtkampf der Eitelkeiten auf der Strecke bleiben muss. Am Ende sind nur Verlierer übrig.

Christian Neumeyer dominiert in der Rolle des Valmont die knapp dreistündige Handlung. Martina Mischke legt die Marquise weniger als eiskalte Verbrecherin, denn als von den Umständen ihrer Zeit verhärtete Überlebenskünstlerin an. Die Opfer vereiteln ebenfalls eindeutige Parteinahme durch ihre Einfältigkeit. So zeichnet das Ensemble ein psychologisch fein ausgearbeitetes Portrait einer Gesellschaft, in der Kälte und Grausamkeit den Spielregeln enstprechen, solange die offizielle Form gewahrt bleibt. Gleichzeitig packt es die Zuschauer bei ihren eigenen Schwächen: die kleinen und großen Boshaftigkeiten dürften sie mit lustvoller Freude goutieren.

• Hanau / Bad Nauheim. Vorpremiere ist am Samstag, 5. Oktober, um 19.30 Uhr bei den Hanauer Amateurtheatertagen im Comoedienhaus Wilhelmsbad, die eigentliche Premiere folgt am Samstag, 12. Oktober, um 19.30 Uhr im Badehaus 2 des Sprudelhofs Bad Nauheim. Bis Februar 2003 gibt es weitere 19 Aufführungen.

 

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Copyright © Frankfurter Rundschau 2002
Dokument erstellt am 01.10.2002 um 21:37:19 Uhr
Erscheinungsdatum 02.10.2002

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