Theater Alte Feuerwache e. V.

Theater Alte Feuerwache e. V. im Badehaus 2
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Wetterauer Zeitung

Am Anfang hatten wir nichts als einen Traum

 

Theater Alte Feuerwache erhielt ersten mittelhessischen Kulturpreis - Am Samstag Feierstunde im Badehaus 2

Es ist schon ein Kreuz , aber auch eine unbändige Lust mit dem Theaterfieber. Wen es einmal gepackt hat, der spürt es immer wieder, dauerhaft und vor allem völlig unheilbar. So ging es vor elf Jahren einer kleinen Gruppe, die sich in einer Theater-AG an der Ernst-Ludwig-Schule zusammengefunden hatte. Nur schade, dass sich damals kein einziger Pädagoge finden ließ, der die Leidenschaft mit ihnen teilte, keiner der Damen und Herren Lehrkräfte wollte die Arbeitsgemeinschaft betreuen.

Wenn hier nicht, dann eben woanders, sagten sich die Pennäler. Wie gut, dass es da das Jugendzentrum in der Alten Feuerwache gab, wo ein Proberaum und, noch wichtiger eine richtige Bühne geradezu nach Beispielen lechzte. Die Stadt gab schnell grünes Licht, man konnte ins neue Domizil übersiedeln, konsequenterweise nannte man sich nun nicht mehr Theater AG, sondern schlicht und ergreifend TAF, was zwar eigentlich Theater Alte Feuerwache bedeutet, inzwischen aber so etwas wie ein Gütesiegel geworden ist.

Heute, elf Jahre später, existiert das Projekt immer noch, und wie es scheint, frischer und kräftiger denn je. Die Flamme brennt eben noch, und wenn am vergangenen Samstag die Arbeit der Truppe mit dem in diesem Jahr zum ersten Mal verliehenen Kulturpreis Mittelhessen gewürdigt wurde, so gilt der einem Theater, das vorbildlich vorexerziert, wie Kultur von unten wachsen und Identität stiften kann. Im vollbesetzten Badehaus 2, darunter Landrat Rolf Gnadl, Bürgermeister Bernd Rohde, der Erste Stadtrat Konrad Dörner und die Stifter Anke und Martin Sporleder aus Wetzlar schilderte WZ-Redakteurin Hedwig Rohde in ihrer Festrede Anfänge, Geschichte und Arbeit des TAF, das in seinem Kern noch immer aus den gleichen Menschen besteht wie zu Beginn. Es war eine beachtliche Liste von ambitionierten und gelungenen Stücken, die Rohde darlegte. Arthur Millers "Hexenjagd", "Die Verfolgung und Ermordung Jean Paul Marats, dargestellt durch die Schauspielgruppe des Hospizes zu Charenton unter der Leitung des Herrn de Sade" von Peter Weiss, Schillers Maria Stuart, Brechts "Dreigroschenoper", daneben Farcen, absurde Einakter Kindertheater, Kabarett als "Ableger" und vieles andere mehr: Die Aufzählung ließe sich erweitern.

"Beachtliches und sich steigerndes Niveau"

"Das TAF hat auf rein ehrenamtlicher Basis künstlerische und schauspielerische Leistungen von beachtlichem, sich stets steigerndem Niveau erbracht, immer wieder an sich gearbeitet, Fehler ausgemerzt, stets ganz bewusst schwächere Mitglieder des Ensembles eingebunden und sich als Team bewährt", sagte Hedwig Rohde. Diese ausgeprägte Teamfähigkeit habe auch dazu beigetragen, dass die Übersiedlung ins Badehaus 2 so glatt gelaufen sei. In mühseliger Kleinarbeit mit vielen Arbeitsstunden habe die Truppe die verfallenen Räume instand gesetzt und der Stadt und der Region ein Jugendstil-Kleinod zurückgegeben, so die Rednerin abschließend.

Hier knüpfte Bürgermeister Bernd Rohde an. Kommunale Kulturarbeit sei nichts anderes als Stiftung von Identität. "Kultur muss provozieren, und wenn Menschen sich nicht mehr von ihr provozieren lassen, steht es schlecht um die Menschen", führte er aus. Ähnlich auch Landrat Gnadl, der selbstkritisch beklagte, dass in der Vergangenheit die Kulturpolitik oft im politischen Tagesgeschäft nur ein schmückendes Beiwerk gewesen sei.

"Beitrag zu regionalem Selbstbewusstsein"

Dabei könnten gerade solche Initiativen wie das TAF dazu beitragen, dass hier ein regionales Selbstbewusstsein entsteht. Wenn der Kulturpreis Mittelhessen in den Landkreisen Gießen, Marburg, Vogelsberg, Limburg-Weilburg, Lahn-Dill und eben der Wetterau dazu beitrage, das Selbstbewusstsein und die schöpferische Kraft zu stärken, sei dies ein wirksames Gegenwicht zum Ballungsraum Rhein-Main, dessen Druck man sonst nicht widerstehen könne: "Wir wollen unsere Identität behalten und behaupten und nicht vom Ballungsraum aufgesogen werden", so der Landrat.

Anschließend konnte Stefan Wendt, spiritus rector des TAF und Mann der ersten Stunde, von Dieter Schormann, dem Vorsitzenden des Kulturförderkreises Mittelhessen, die mit 5000 Mark dotierte Auszeichnung entgegennehmen. Er tue dies stellvertretend für alle, die sich lange Jahre für das Projekt eingesetzt hatten, meinte er, betonte aber auch, dass der Preis mit genau dem gleichen Recht auch Kulturamtsleiter Johannes Lenz gebühre, der nie aufgehört habe, das Theater zu unterstützen. "Am Anfang hatten wir nichts als einen Traum", schilderte Wendt den Beginn der Erfolgsgeschichte TAF; "und wenn du etwas träumen kannst, kannst du es auch tun." Er hoffe, dass die Renovierung des Badehauses aus eigener Kraft Mut zur Veränderung mache, und die sei gerade in Bad Nauheim nötig. Zum Schluss zitierte Wendt den verstorbenen August Everding, der seinerzeit ganz einfach festgestellt hatte: "Theater muss sein."

Freche Lieder und Gedichte

Eine Kostprobe davon musste an einem solchen Abend und vor etwa 100 Gästen natürlich sein, weshalb Anka Hirsch am Klavier und Ursula Illert mit ihren frechen Liedern und Gedichten bekannter Autoren einen Ausschnitt aus ihrem Können boten. Der Liebe Lust und Leid, das böse Schicksal, die unbarmherzige Macht der Zeit, das Leben eben in seinen in allen Farben schillernden Facetten waren das Thema.

Sö gehörte denn auch die kleine, aber um so fröhlichere Feier im Anschluss dazu, bei der der eine oder andere Neugierige noch einmal die ungewöhnliche Spielstätte genauestens inspizierte, natürlich mit Ess-. und Trinkbarem bestens ausgestattet.

Wetterauer Zeitung, 20.11.2000

Termine
10.02. Philosophische Reihe: Natur und Welt bei den Vorsokratikern
22.02. Kleinkunst-Reihe: »Mann mit Eiern«
23.02. Kleinkunst-Reihe: »Mann mit Eiern«
03.03. TAF Kabinettstücke: König Ödipus
07.03. Erlesenes 2012: »Das Licht in einem dunklen Haus«
16.03. Philosophische Reihe: Platon und die Aufgabe der Philosophie
20.03. "Ökonomie des Glücks"

 

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